Europa verlagert sein Flüchtlingsproblem in ärmere Länder und will nur noch die Crème de la Crème der Zuwanderer abschöpfen.
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ie Zäune werden höher, die Schlupflöcher kleiner. Seit Jahren bemühen sich die europäischen Staaten, die illegale Zuwanderung einzudämmen. Zu Recht, aber doch mit so viel Widersprüchen. Denn von hehren Zielen ist dieses Bemühen mittlerweile weit entfernt. Es geht längst nicht mehr um das saubere Trennen zwischen Schutzbedürftigen und jenen, die einzig und allein der Traum des Wohlstands anzieht.
Eine zynische Politik, die Begriffe wie "Flüchtlinge" und "illegale Einwanderer" mittlerweile als Synonym verwendete, verfolgten diese Woche auch die EU-Innenminister. Sie formten in Wien ein Paket aus Maßnahmen, das einzig darauf abzielt, das Problem neuer Flüchtlingsströme in ärmere Länder zu verlagern. Und auch hier offenbarte die ungenaue Begriffsverwendung das eigentliche Ziel. Von "Auffanglagern" war da zuerst die Rede, dann von "Schutzzonen" in Drittländern. Fest steht, dass Flüchtlinge außerhalb der EU neue Anlaufstellen bekommen. Sie sollen dort zwar minimal betreut, aber in ihrer Region gehalten werden. Die Idee klingt zwar gut, doch birgt sie sozialen Sprengstoff für die betroffenen Ländern und für viele der flüchtenden Menschen.
Der Zynismus wir umso deutlicher, wenn dieser EU-Initiative das gleichzeitige Bemühen gegenüber gestellt wird, hochqualifizierten Immigranten den Zuzug in die EU zu erleichtern. Europa will also die Crème de la Crème, aber immer weniger Verantwortung für politisch Verfolgte. (Bericht Seite 4)