Bon voyage, liebe Bundesbahn!

ÖBB-Aufsichtsratschef Wolfgang Reithofer hat genug von der Bahn. Das muss man verstehen.

Der "personelle Umbau" in den ÖBB hat begonnen. Den Anfang macht ausgerechnet Aufsichtsratschef Wolfgang Reithofer, der im Mai seinen Sessel räumt. Kein gutes Zeichen. Der Chef des Ziegelkonzerns Wienerberger war einer der wenigen Lichtblicke in der Staatsbahn. Ein Mann aus der freien Wirtschaft, der aus einem Parade-Staatsbetrieb (im schlechtesten Sinne) ein modernes Unternehmen formen wollte.

Man muss kein Nachkomme von Nostradamus sein, um zu wissen, dass so etwas nur unglücklich enden konnte. Im Falle der ÖBB haben wir es nämlich mit einem Konstrukt zu tun, das mit einem "Unternehmen" nur am Rande zu tun hat. Geführt wird die Bahn von der Politik und der Eisenbahner-Gewerkschaft. Den Vorständen wird - überspitzt formuliert - bestenfalls beratende Tätigkeit zugestanden.

Was dabei herauskommt, ist ein netter Selbstbedienungsladen. Ein paar "Eckdaten" gefällig? Ein Mitarbeiter der ÖBB geht mit 53 Jahren in Pension, von 43.000 Mitarbeitern sind gezählte 37 (nicht tausend) älter als 60. Im Schnitt ist ein Eisenbahner 26 Tage im Jahr krank. Ältere Mitarbeiter sind offenbar besonders mysteriösen Krankheitserregern ausgesetzt: Ab dem 50. Lebensjahr ist der ÖBBler laut Rechnungshof 71 Tage im Jahr verhindert, in den letzten drei Dienstjahren sind es 99 Tage pro Jahr. Und nicht alle arbeiten im Verschub.

Wer das ändern will, bekommt es mit der Politik und/oder der Gewerkschaft zu tun. Weshalb es für ÖBB-Aufsichtsräte zwei Möglichkeiten gibt: Kopfnicken und Handheben. Oder gehen.


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