Die ORF-Chefin wollte den Print-Medien zum Abgang eine juristische Lektion erteilen. Das könnte sogar noch ein Vorteil werden.
Monika Lindner ist wieder einmal gegen die Wand gelaufen. Das ist nicht überraschend. Wer so unkommunikativ und unsensibel agiert wie die scheidende ORF-Chefin, trifft zwangsläufig auf Widerstand. Überraschend ist die Geschlossenheit der Mauer, die der ORF-Stiftungsrat am Mittwoch bildete - quer durch alle Parteien. Seine Botschaft war einhellig: keine Klage gegen die Online-Firma des "Standard" und gegen den Medienredakteur der Zeitung, Harald Fidler. Lindner hatte wegen Urheberrechtsverletzung geklagt, weil das Blatt ihre Unterlagen zur ORF-Generaldirektoren-Bewerbung veröffentlicht hatte. Zu gewinnen gibt es für sie nichts - die Wahl ist längst verloren. Aber sie sah wohl ihre letzte Gelegenheit, einem der von ihr ohnehin ungeliebten Medienjournalisten im Davoneilen noch auf die Finger zu klopfen.
Am Mittwoch aber packte der Stiftungsrat das Rohrstaberl aus - und die Generalin musste nach massivem Druck ihre Klage zurückziehen. Ihr Nachfolger Alexander Wrabetz ist dabei, das Kommunikations-Schlamassel zu beseitigen. Er stellt sich Fragen. Auch unbequeme.
Dem Journalismus könnte Lindners Scherbenhaufen möglicherweise sogar noch Glück bringen. SP-Justizsprecher Hannes Jarolim erkannte in ihrer Klage "einmal mehr die Notwendigkeit einer umfassenden Reform des Medienrechts", das Strafrecht sei kein angemessenes Reaktionsmittel. Man wird die SPÖ noch daran erinnern ...