Die ÖVP lässt sich ihren beliebtesten Minister offenbar ohne nennenswerten Widerstand aus dem Amt schießen. Das wirft Fragen auf.
Wenn die SPÖ nach Kräften versucht, Karl-Heinz Grasser in einer großen Koalition als Finanzminister zu verhindern, ist das weder unsittlich noch strafbar. Es ist vielmehr der strategisch plausible Versuch, den populärsten ÖVP-Minister aus dem Amt zu jagen. Mit der Begründung, dass ein bekennender Anhänger libertärer Ideen für die SPÖ als Minister eben nicht wirklich tragbar sei (wenngleich sachkundige Linke wissen, dass Grasser ja eher ein Trockendock-Liberaler ist).
Bemerkenswert sind jedenfalls die Reaktionen der ÖVP auf den geforderten Abschuss Grassers. Dort wird ja nur auffallend halbherzig darauf verwiesen, dass sich die Partei ihre Minister schon noch selbst aussuche. Dafür wird eifrig spekuliert, wer Grasser ablösen könnte. Favorisiert wird Landwirtschaftsminister Josef Pröll, der nun endlich ein Ministerium für Erwachsene erhalten soll. Auch Willi Molterer dürfte gute Karten haben.
Das wirft Fragen auf. Etwa jene, warum sich die ÖVP ausgerechnet ihren beliebtesten Minister widerstandslos aus dem Amt schießen lässt. Einen Mann, der jüngst noch als potenzieller Spitzenkandidat gehandelt wurde. Am Ende könnte jemand auf die Idee kommen, das hätte mit Gerüchten zu tun, die SPÖ wolle im Eurofighter-Ausschuss ausschließlich Grasser in die Mangel nehmen. Aber vielleicht ist alles auch ganz harmlos - und Grasser ist "nur" einigen "Parteifreunden" zu populär.