Steigende Gas- und Stromtarife in Wien zeigen einmal mehr: Österreichs Energieversorger sind völlig entpolitisiert. Nur die Preise halt nicht.
Bitte anschnallen", heißt es für die Wiener Bürger: Sie dürfen sich nämlich auf eine saftige Preiserhöhung bei Strom und Gas einstellen. Der gemeindeeigene Landesversorger Wien Energie wird seine Tarife per 1. März um rund 17 Prozent "anpassen", wie das im E-Wirtschaft-Deutsch so schön heißt. Das Ganze klingt ja auch recht plausibel. Allein die Importpreise für Erdgas sind seit Anfang 2005 um die Hälfte nach oben geschossen. Und wer will schon von der Wien Energie verlangen, diese von Russland & Co. vorgegebenen Preiserhöhungen zu schlucken? Eben.
Wo liegt nun das Problem? Wohl darin, dass die aktuelle Preisrunde einer ziemlich dreisten Wählertäuschung gleichkommt. Wie ist es denn sonst zu sehen, wenn doch die der SPÖ nicht wirklich fern stehende Wien Energie die Wiener Wähler kurz vor der Landtagswahl mit einer Preisgarantie beglückte? "Preisstabil in den Winter" lautete die Frohbotschaft am 23. September 2005. Zu einer Zeit, in der andere Versorger die stark gestiegenen Gas-Importpreise längst an die Kunden weiterreichten.
Für die Wien Energie war das kurz vor der Wahl freilich kein Thema. Mit einer ausgefuchsten Einkaufspolitik wurden hohe Preise nämlich an der Grenze gestoppt. Bravo! Und vielen Dank auch noch an den Herrn Bürgermeister, dass die angeblich völlig "entpolitisierte" Wien Energie aus rein politischen Motiven die Tarife für einige Monate künstlich relativ niedrig hielt.