Meinung: Wenn in Europa einer Klartext redet

Der derzeitige EU-Ratsvorsitzende Erkki Tuomioja gibt weiter mutige Erklärungen zum Libanon-Krieg ab - und wird dafür geprügelt.

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lötzlich in diesem Sommer ver nahm man aus dem Mund eines EU-Vertreters Stellungnahmen zu einem Konflikt, die Europas Bürger auch tatsächlich verstehen. Erkki Tuomioja, der finnische Außenminister und derzeitige EU-Ratsvorsitzende, hat durch seine klaren, mutigen, ungeschminkten Erklärungen zum Libanon-Krieg und zum israelischen Vorgehen all jene vielen Europäer eines Besseren belehrt, die an der EU-Außenpolitik der jüngsten Zeit eigentlich nur verzweifeln konnten.

Auch bei der gestrigen EU-Dringlichkeitssitzung hat Tuomioja wieder die richtigen Worte gefunden: Israels Premier Olmert schrieb er ins Stammbuch, dass dessen jetzige Politik der Gewalt das Heer der Hisbollah-Kämpfer und anderer Extremisten-Gruppen nur vergrößern werde. Und seinen EU-Kollegen sagte er, dass eine gemeinsame europäische Position zum Libanon-Krieg auch eine Abgrenzung von den USA bedeuten könne.

Dass der Finne aber wagt, Wahrheiten auszusprechen, kommt bei einem Teil seiner Kollegen gar nicht gut an. Nicht beim EU-Außenpolitik-Beauftragten Solana, der Inkarnation nichtssagender Diplomatenfloskeln. Schon gar nicht bei der grauen britischen Außenministerin Margaret Beckett, die sich als Wurmfortsatz der Amerikaner versteht und die EU ebenfalls dazu machen möchte. Bitte, Herr Ratspräsident Tuomioja, lassen Sie sich nicht unterkriegen. Machen Sie weiter wie zuletzt! (Berichte: Seite 5)

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