Geplatzte Lohnverhandlungen sind kein Drama. Schon eher das taktische Geschick des ÖGB. Es schadet allen Arbeitnehmern dieses Landes.
In der Nacht auf Freitag kam es, wie es kommen musste. Die Metaller-Ge werkschaft ließ die Lohnverhandlungen mit den Arbeitgebern platzen. Mit dem Argument, das Angebot der Arbeitgeber sei unverschämt niedrig gewesen.
Aus Sicht eines ÖGB-Funktionärs eine nachvollziehbare Haltung. Alles andere wäre wohl politischer Selbstmord. Schließlich hat sich die Arbeiterbewegung über die gewerkschaftseigene Bawag an den Rand des Bankrotts spekuliert und kämpft seither ums Überleben. Jede Forderung nach moderaten Lohnabschlüssen wird abgeschmettert, ganz nach dem Motto: Die Arbeitgeber fahren Milliardengewinne ein, verwehren den Arbeitnehmern deren Anteil an hohen Profiten und wollen die Schwäche des ÖGB auch noch dazu nutzen, Lohnverhandlungen in die Betriebe zu verlegen. Um so den ÖGB fertig zu machen.
Die Schwäche der Gewerkschaft ist derzeit eben ihre ganz große Stärke. Was für alle Arbeitnehmer des Landes nichts Gutes heißt. Schließlich geben die Metaller für alle Branchen den Takt vor. Dabei wäre es höchst an der Zeit, Lohnverhandlungen dort zu führen, wo sie hingehören: in die Betriebe. Damit wäre zu verhindern, dass die Beschäftigten eines prächtig verdienenden Stahlkonzerns mit denselben Lohnerhöhungen abgespeist werden, die kleine Mittelständler an den Rand des Ruins treiben. Was wiederum helfen würde, tausende Arbeitsplätze zu retten.