Meinung: Zur Freiheit gehören offene Archive

Was Guantánamo, Abu Ghraib und das altehrwürdige amerikanische Nationalarchiv in Washington gemeinsam haben.

Es mag spröde klingen, aber: An der Zugänglichkeit zu den Archiven er kennt man den Grad der Freiheit einer Gesellschaft. Wenn die ständig um ihre eigene Macht besorgten Bürokraten in einem Staat das Sagen haben, wird sich dieser immer von der Öffentlichkeit - sprich: den eigenen Bürgern - abzuschotten versuchen. Besonders werden sie darauf achten, dass das Gedächtnis eines Staatswesens, seine Archive, nur ja unter der Kontrolle der Macht bleibt. In Russland war das zu beobachten, als nach Öffnung der sowjetischen Archive Anfang der 1990iger Jahre nach kurzer Zeit alles wieder abgesperrt wurde und seither zumeist nur westliche Geldscheine das eine oder andere Dokument für Historiker wieder einsehbar machen.

Aber warum sperren die USA in den neunziger Jahre freigegebene Dokumente auf einmal wieder weg? Ja, ja - "Nationale Sicherheit", "Kampf gegen den Terror", wie es immer wieder heißt. Damit rechtfertigt die jetzige US-Regierung inzwischen so gut wie jeden ihrer Schritte, mit dem sie aus dem einstigen Modell-Land der Freiheit eine Art Polizeistaat macht. Guant¡namo, Abu Ghraib, Nationalarchiv Washington - natürlich sind das völlig unterschiedliche Schauplätze. Aber die Akteure kommen aus demselben Milieu - Streitkräfte und Geheimdienste - und sie haben dasselbe Ziel: Staatsschutz. Auch wenn die einen nur Papiere wegsperren, während die anderen foltern. (Bericht: S.7)

burkhard.bischof@diepresse.com

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