Meinung: Silvio Berlusconis Giftspritze

Die Wahlfälschung-Vorwürfe des Premiers gefährden Italiens Demokratie. Deshalb sollte Berlusconi schleunigst Beweise vorlegen.

N
ein, eine "gut funktionierende Demokratie" ist Italien nicht. Die sen Schluss kann man nach der chaotischen Parlamentswahl und all den peinlichen Pannen durchaus ziehen. Nachgewiesene Schlampereien bei einem extrem knappen Ergebnis - das alles macht Silvio Berlusconis Forderung nach Nachzählungen verständlich. Aber "Wahlfälschungen"? Diese Anschuldigung ist gravierend - vor allem wenn sie vom amtierenden Premier stammt.

Berlusconi macht ja kein Hehl daraus, dass "seinen Quellen zufolge" Romano Prodis Allianz die Stimmen geklaut hat. Und sorgt dadurch für eine zusätzliche Vergiftung des Klimas in einem Land, das politisch so gespalten ist wie seit den dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges nicht mehr.

Das ist gefährlich: Wie soll der künftige Premier Prodi regieren, wenn die Hälfte des Landes glaubt, er habe durch schmutzige Tricks die Wahl gestohlen? Wie soll er arbeiten, wenn die größte Oppositionspartei - Berlusconis "Forza Italia" - ihm jegliche Legitimität abspricht?

Deshalb: Sollte es Fälschungen gegeben haben - dann muss Berlusconi schleunigst seine "Beweise" vorlegen und diese überprüfen lassen. Handelt es sich aber nur um geschmackloses Taktieren - dann sollte der Premier umgehend einen Rückzieher machen und die Niederlage eingestehen. Und sich zumindest am Ende seiner Amtszeit wie ein Staatsmann benehmen, dem das Wohl Italiens wichtiger ist als sein eigenes. (Bericht: Seite 5)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.