Haben schillernde PR-Profis in der Politik ausgedient? In Deutschland ist diese Wende mit Kurt Beck als neuem SPD-Chef vollzogen.
E
s gibt Hoffnung, dass die Tage der Lichtgestalten gezählt sind. Zumin dest Deutschland hat sich nach Joschka Fischer und Gerhard Schröder von den Blendern verabschiedet, die mit flotten Sprüchen und durchgestylten PR-Auftritten ein Jahrzehnt an politischer Oberflächlichkeit geprägt haben. Vielleicht hat es mit der Krise, zu tun, dass es heute nicht mehr um geschliffenes Auftreten, sondern um Sacharbeit geht.
Das Mausgraue, das in diesem Fall auch etwas mit persönlicher Bescheidenheit zu tun hat, kehrt in die Politik zurück. Angela Merkel symbolisierte bereits alles andere als eine Persönlichkeit, die leicht zu vermarkten ist. Und der am Wochenende neu gewählte SPD-Vorsitzende Kurt Beck ist in dieselbe Kategorie einzuteilen. Vordergründig sind beide ohne telegenes Charisma ausgestattet. Doch bei genauem Hinsehen wird klar, das hier Politiker an die Macht gekommen sind, deren Gedankenwelt noch nicht völlig von Spin-Doktoren aufgeweicht ist. Es sind vielleicht farblose, manchmal unbeholfene Menschen, aber ihr Engagement wirkt authentisch.
Zu hoffen ist, dass es nicht nur die mangelnde Personalreserve war, die Deutschland von jenen Politikern entfernt hat, die Tarnen und Täuschen zu ihrem Handwerk zählten. Kurt Beck ist gelernter Elektromechaniker. Er sollte sich noch länger daran erinnern, dass Spannung mehr ist als ein Kriterium für TV-Quoten. (Bericht: Seite 3)