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Post.24: Paketautomaten mit Problemen

Lange Wartezeiten, technische Pannen - die Abholautomaten der Post kämpfen mit Anlaufschwierigkeiten.

WIEN. "Das wird jetzt interessant", sagt der Mann am Schalter im Postamt 1112 Wien. Seit 24. November bietet die Post die Möglichkeit an, Pakete an Automaten zu senden, von denen sie zu jeder Tages- und Nachtzeit abgeholt werden können - nur hat der Mitarbeiter in der Postfiliale des Simmeringer Einkaufszentrums auch am 12. Dezember, also nach rund 20 Tagen, bislang noch kein einziges derartiges Stück bearbeitet. Macht aber nichts, er stellt sich geschickt an und hat binnen weniger Sekunden die Information auf seinem Computer aufgerufen. Einige Momente später verschwindet das "Presse"-Testpaket in der Truhe.

Das Aufgeben eines Pakets an einer Abholstation unterscheidet sich nicht grundlegend vom Versenden an eine herkömmliche Adresse - außer, dass statt der Wohnadresse der nächstgelegene Abholautomat angeführt werden muss. Natürlich muss dem Postmitarbeiter auch noch E-Mail oder Handynummer des Empfängers mitgeteilt werden, damit der benachrichtigt werden kann.

Im "Presse"-Test läuft diese Benachrichtigung allerdings schleppend an. Die SMS, dass das am 12. Dezember um 9.45 Uhr aufgegebene Paket angekommen ist, landet am 18. Dezember um 19.19 Uhr in der Mailbox, nach mehr als sechs Tagen also. Wortlaut der Benachrichtigung: "Ihr Post.24 Paket ist da! Abzuholen nur noch bis bei der PA 1030 Maria-Eis-Gasse 1, 1030 Wien." Die Information, bis wann das Paket nun abzuholen ist, fehlt. Nur konsequent also, dass schon am Vormittag des 19. Dezember ein Anruf von der Post folgt: "Bitte ignorieren Sie die SMS, wir hatten ein Problem in der IT. Es wird eine neue SMS kommen." Wunderbar, und wann? "Das weiß ich nicht, ich soll Ihnen das nur ausrichten."

Mit regulärer Post wäre das Paket vermutlich längst daheim angekommen. Und selbst wenn der Briefträger niemanden angetroffen hätte, wäre zumindest die Benachrichtigung im Postkasten gelegen, dass es im nächstgelegenen Postamt abzuholen ist. So wartet das Päckchen vermutlich irgendwo einsam in einer Kiste, während der Empfänger noch immer auf die SMS mit den korrekten Abholdaten hofft. Ein Anruf bei der österreichweit zum Ortstarif erreichbaren Service Hotline (20. Dezember) bringt - nach einem Fehlversuch, bei dem erst gar niemand abhebt - immerhin Hoffnung. "Was ist denn mit den falsch verschickten SMS passiert?", fragt die Dame am anderen Ende der Leitung einen Kollegen. Die neue Benachrichtigung sollte schon verschickt worden sein, heißt es dann. Die Leere am Handydisplay verheißt anderes. Wurde die Message vielleicht von Außerirdischen entführt? Und das Paket gleich mit ihr? Immerhin, die Dame von der Hotline verspricht sehr höflich, eine neue SMS zu versenden: "Sie brauchen es bis Weihnachten, nehme ich an?" Ganz genau.

Am Nachmittag des 20. Dezember folgt schließlich die Erlösung: Die SMS mit den Abholcodes sind da, das Paket kann beim Post.24-Automaten Maria-Eis-Gasse im dritten Bezirk abgeholt werden (Der dem Wohnort des Autors nächstgelegene Automat mit der idyllischen Adresse "Unter der Kirche 22" ist zwar in Simmering, aber ohne Auto nur äußerst umständlich zu erreichen).

Das Abholen selbst läuft dann problemlos ab: Am Touchscreen werden die beiden Abholcodes - ja, man erhält gleich zwei SMS mit je einem Teil des Codes - eingegeben, ein Fach öffnet sich, das Paket kann entnommen werden. Heureka!

Abgesehen von technischen Pannen und schleppendem Verlauf, der vielleicht noch durch das hohe Postaufkommen rund um Weihnachten erklärt werden kann, stellt sich die Frage, wo der Vorteil dieser Abholautomaten liegt. Denn natürlich ist es weitaus bequemer, wenn der Briefträger das Paket frei Haus liefert.

Und selbst, wenn er dort niemanden antreffen sollte, gibt es ja immer noch die Möglichkeit, es dann später im Postamt abzuholen. Bleibt also nur eine einzige Gruppe, für die die automatisierte Variante einen echten Vorteil darstellt: Menschen, die während der - gar nicht so knapp bemessenen - Öffnungszeiten der Postämter partout keine Zeit haben.