Seifen-TV, selbst gemacht

Erste ORF-Fließband-Serie: „Mitten im Achten“.

WIEN.Nach anfänglichen Bedenken, der Name „Mitten im Achten“ könnte Zuschauer jenseits der Enns oder hinter dem Semmering abschrecken, traut sich der ORF doch: Das neue Serien-Format, das werktags vermutlich parallel zur „ZiB1“ auf ORF1 laufen soll, kommt aus Wien und wird auch so heißen.

Entgegen anders lautenden Gerüchten wird die Serie, an deren Drehbüchern derzeit ein Autorenteam unter Leitung von Chefautor Clemens Aufderklamm arbeitet, nicht in Berlin oder anderswo in Deutschland produziert. Nur die Pilot-Folgen wurden dort gedreht. Fortgesetzt wird in einem eigens eingerichteten Studio der österreichischen Satel-Film in Wien-Liesing – und nicht in der Josefstadt.

Auftrag an die Schreiber: junge, humoristische, urbane Geschichten über drei Generationen aus verschiedenen Milieus zu erzählen. Schauplatz sind zwei Wohnhäuser und ein Lokal, in dem man sich trifft. Bis auf ein paar Außenaufnahmen wird die Handlung, wie in solchen Serien üblich, nur in Innenräumen ablaufen, die im Studio aufgebaut wurden. Geldsorgen, Prüfungsstress und Liebeskummer der kleinen Gemeinschaft (13 Schauspieler sind vorgesehen) werden in eine humorvolle Serie verpackt, mit den Bezeichnungen Sit-Com und Soap ist man beim ORF vorsichtig, bis die Drehbücher auf dem Tisch liegen. Erstmals wagt sich der ORF damit auf für ihn bis dato unbekanntes Terrain: die industrielle Produktion einer TV-Serie. Da brauchen die Darsteller – fix dabei: Gernot Rudle, Max Schmiedl, Angelika Nidetzky – gute Nerven und einen langen Atem: An nur einem Tag sollen die 22 bis 23 Minuten, die jede Episode dauern wird, abgedreht sein.

130 Folgen in Auftrag gegeben

In Deutschland und Amerika schafft man bei Fließband-TV-Ware in derselben Dauer zwar zwei Folgen pro Drehtag, der ORF will in den Kinderschuhen aber mit kleinen Schritten losmarschieren.

Zu tun ist dennoch genug. Schließlich soll die Serie bereits mit dem neuen Sendeschema am 10.April starten – wenn der Stiftungsrat im Februar den Programmplänen zustimmt. 130 Folgen von „Mitten im Achten“ wurden in Auftrag gegeben. Vorerst. Läuft das Format gut an, dann geht es in die Endlosschleife.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2007)

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