LUFTFAHRT. Der Chef der slowakischen Billigfluglinie sieht in dem Engagement des Investors Ronny Pecik keinen feindlichen Akt.
wien. Christian Mandl ist überrascht. Das sagt der Miteigentümer und Chef der slowakischen Billigfluglinie SkyEurope zumindest im Gespräch mit der „Presse“: „Ich habe vom Einstieg des Herrn Pecik aus den Medien erfahren.“ Der Finanz-Tycoon Ronny Pecik hat nach tagelangen Gerüchten über einen Einstieg am Dienstag offiziell bekannt gegeben, dass er exakt 3,048.412 Aktien – das sind 7,82 Prozent – an der Fluglinie hält. Ein erster Schritt, denn Pecik strebt offenbar die Kontrolle bei SkyEurope an.
Darüber mag Mandl allerdings noch nicht sprechen. Derzeit sieht er den neuen Aktionär durchaus positiv: „Das Engagement Peciks zeigt lediglich, dass er an die Zukunft unseres Unternehmens glaubt. Ich begrüße jeden Aktionär.“ Und wenn Pecik doch die Mehrheit anstrebt – wäre das ein freundlicher oder ein feindlicher Akt? Mandls Antwort fällt sehr diplomatisch aus: „Das Interesse des Unternehmens steht im Vordergrund, auch für mich als Vorstand, dafür werde ich kämpfen.“
Treffen vor Hauptversammlung
Diese Aussage dürfte Spekulationen anheizen, wonach Mandl im Fall, dass Pecik die Kontrolle bei SkyEurope erlangt, nicht unbedingt von Bord gehen müsste. Ein anderes Szenario wäre allerdings, dass er sein Aktienpaket an Pecik verkauft. Mandl hält derzeit rund vier Prozent an der Fluglinie und hat – so wie alle anderen Aktionäre – an dem Kursfeuerwerk der letzten Wochen profitiert. Die SkyEurope-Aktie lag am Dienstag zwischenzeitlich erneut mehr als fünf Prozent im Plus.
Von Verkauf ist derzeit aber noch keine Rede, Mandl will zunächst einmal Pecik treffen. „Auf jeden Fall noch vor der Hauptversammlung am 16. Februar.“ Er dürfte damit einem Streit über die geplante Kapitalerhöhung zur Begebung von Aktienoptionen für SkyEurope-Manager aus dem Wege gehen wollen. Pecik lehnt diese Optionen nämlich ab.
Einmal habe er, Mandl, Pecik, bereits getroffen. Und zwar anlässlich der Kapitalerhöhung im Vorjahr, als der US-Fonds York die schwer defizitäre Fluglinie mit einer kräftigen Kapitalspritze vor dem finanziellen Crash rettete.
Wie die „Presse“ berichtete, hat Pecik die SkyEurope-Anteile wohl allein erworben, als Berater dürfte ihm aber künftig Niki Lauda zur Verfügung stehen. Dies heizt Spekulationen an, wonach aus SkyEurope und Laudas Airline „Niki“ eine große europäische Billigfluglinie entstehen könnte. Auch das schockiert Mandl nicht. „Ich kenne Lauda sehr gut und habe viel Respekt vor ihm. Wenn Partnerschaften im Interesse der Firma und der Aktionäre wären, dann könnte man sich das ansehen.“
AUA: „Keine Bedrohung“
Die Schaffung einer aus Pressburg und Wien europaweit agierenden Billigfluglinie, die auf Gelder potenter Investoren wie Peciks Partner bei der Schweizer Oerlikon, Viktor Vekselberg, zurückgreifen kann, würde für die AUA eine erst zu nehmende Bedrohung darstellen, meinen Experten.
Die AUA selbst will ein entsprechendes Zukunftsszenario – noch – nicht kommentieren und gibt sich selbstbewusst. „Wir sind in Osteuropa die Nummer eins und bieten vor allem für Geschäftsreisende optimale Verbindungen an“, sagt AUA-Sprecherin Livia Dandrea. Aber natürlich sei SkyEurope eine Konkurrenz „und wir beobachten Mitbewerber ganz genau“.
Inline Flex[Faktbox] PECIK AN BORD("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2007)