Mit Magnetresonanz können Forscher Muster sichtbar machen, in denen das Gehirn plant.
Wenn wir etwas planen, behalten wir das für gewöhnlich so lange bei uns, bis wir es ausführen. Aber manche Menschen sind in Situationen, in denen sie nichts ausführen können, weil sie etwa querschnittsgelähmt sind. Für sie wäre es ein Segen, wenn sie mit der bloßen Macht des Denkens etwas bewegen oder mitteilen könnten. An solchen Systemen – „Neuroprothese“, „brain/computer-interface“ – arbeitet die Forschung seit etwa 15Jahren. Es ist schon gelungen, geplante Körperbewegungen mit EEG abzulesen und – von Computern interpretiert – von technischen Geräten ausführen zu lassen. Eine Grazer Gruppe von Neurophysiologen um Walter Pfurtscheller ist darin weit.
Aber im EEG zeigt sich die Aktivität des Gehirns nur grob. In die Feinheiten ist nun eine Gruppe um John-Dylan Haynes (MPI Kognitions- und Hirnforschung, Leipzig) vorgedrungen: Sie hat mit einem bildgebenden Verfahren (Magnetresonanz) sichtbar gemacht, wo und wie unser Gehirn aktiv ist, wenn es eine ganz abstrakte Operation plant, eine Rechnung. Die Testpersonen sollten vorher entscheiden, ob sie addieren oder subtrahieren wollen – erst dann bekamen sie die Zahlen zu sehen.
Aber ihre eigene Planung zeigte sich den Forschern schon vorher, im präfrontalen Kortex. Der aktiviert bei der Entscheidung für das Addieren ein ganz anderes Muster als bei der für das Subtrahieren. In 70 Prozent der Fälle konnten die Forscher richtig vorhersagen, wie die Entscheidung gefallen war (Current Biology, 8.12.).
„Den Fortschritt gegenüber früheren Versuchen kann man vielleicht mit einem Vergleich verdeutlichen“, erklärt Haynes der „Presse“: „Früher hat man im Gehirn ein Buch gefunden, wir können in diesem Buch jetzt auch lesen. Wir haben als Erste ganz besondere Absichten aus den Mikromustern der Gehirnaktivität herausgefiltert.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2007)