Luftfahrt. Der österreichische Investor Ronny Pecik will den US-Fonds York rasch ausbremsen.
Wien. Ronny Pecik gilt als smarter Geschäftsmann. Der einstige Investmentbanker, dem in Finanzkreisen ein Gespür für gute Deals nachgesagt wird, kann aber beinhart sein, wenn jemand seine Interessen durchkreuzt. So hat er mit Partner Georg Stumpf (und dem inzwischen ausgeschiedenen Mirko Kovats) den Übernahmekampf bei der Schweizer Oerlikon gewonnen. Jetzt ist der Machtkampf um die Billigfluglinie SkyEurope zwischen Pecik, der überraschend knapp acht Prozent an der Fluglinie erworben hat, und dem größten Aktionär, dem US-Fonds York, voll entbrannt.
Der Hintergrund: Pecik, der eine mehrheitliche Übernahme nicht dementiert, will bei der SkyEurope-Hauptversammlung verhindern, dass Führungskräften Aktienoptionen eingeräumt werden. Dazu wollte er andere Aktionäre – in erster Linie York – auf seine Seite bringen. York hat SkyEurope im Vorjahr vor der finanziellen Bruchlandung gerettet und hält 23,06 Prozent an der Fluglinie, inklusive Wandelanleihen 29,9 Prozent.
Eine Woche vor dem Aktionärstreffen zeichnet sich ein Kampf der Aktionäre ab, weil York und Pecik getrennte Machtansprüche verfolgen. York ist nicht nur beherrschender Aktionär des Unternehmens, dem Fonds werden auch drei der fünf Aufsichtsräte, darunter Präsident Jordanis Karatzas, zugezählt.
Beim Wort „Kontrolle“ werden Experten hellhörig: Wenn York tatsächlich die Kontrolle bei SkyEurope hat, müsste der Fonds allen Aktionären ein Pflichtoffert legen. Die Schwelle dafür liegt bei 30 Prozent. Bereits ab 25 Prozent kann die Übernahmekommission eine Prüfung einleiten. Für SkyEurope gilt das österreichische Übernahmerecht, da der Holding-Sitz Wien ist und die Gesellschaft an der Wiener Börse notiert.
Verlust der Flugrechte?
Mit einem US-Fonds als Eigentümer hätte SkyEurope ein veritables Problem. Denn für alle europäischen Airlines gilt, dass sie mehrheitlich in nationalem Eigentum stehen müssen, um ihre Verkehrsrechte zu erhalten. So ist das auch bei der AUA, wo die ÖIAG mit Banken und Versicherungen die österreichische Mehrheit garantiert. Pecik wäre nicht Pecik, wenn er dieses Bedrohungspotenzial nicht für sich nützen würde.
Lauda will Synergien prüfen
In einem Gespräch mit SkyEurope-Gründer und Vorstandschef Christian Mandl am Donnerstag dürfte dieses Szenario jedenfalls zur Sprache gekommen sein. Mandl hat schon zu Wochenbeginn zur „Presse“ gesagt, er würde jeden neuen Aktionär begrüßen, der an die Zukunft der Fluglinie glaube und in ihrem Interesse handle. Pecik am Freitag zur „Presse“: „Das Gespräch ist äußerst professionell verlaufen .“
An die Zukunft von Sky Europe glaubt offenbar auch Niki Lauda. Der Gründer und Eigentümer der Billigfluglinie „Niki“, an der Air Berlin 24 Prozent hält, schließt nach anfänglichen Dementis nun eine Zusammenarbeit mit SkyEurope nicht aus. Voraussetzung sei eine gute wirtschaftliche Entwicklung. „Man muss schauen, ob es Synergien gibt“, so Lauda zur APA.
In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass Pecik schon ein weiteres Aktienpaket zugekauft hat und dies demnächst melden wird. Der Kursanstieg deutet darauf hin.
Inline Flex[Faktbox] GERANGEL IM COCKPIT("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2007)