Infotafeln und Pistenmarkierungen werden mit Werbung finanziert.
Zu den Russen hat die Tourismuswirtschaft derzeit ein ambivalentes Verhältnis – während die einen das Aufkommen der Gäste dieser Provenienz kontingentieren wollen, wird die zahlungskräftige Klientel an anderen mehr oder weniger schneebedeckten Ecken umworben. Zum Beispiel mit Werbetafeln in kyrillischer Schrift für Megapol Wodka. Das russische Unternehmen hat seinen Österreich-Auftritt bei Sitour gebucht. Das vor vierzig Jahren gegründete, auf Winterwerbung spezialisierte Unternehmen von Peter Schröcksnadel ist in seiner Nische mittlerweile international verankert – in den USA und Kanada ebenso wie in Tschechien oder Japan.
Von der Pistenmarkierung bis zu Infotafeln, von Uhren im Anstellbereich der Kontrolldurchgänge bis zur großflächigen Plakatierung von Seilbahnstationen – alles wird als Werbefläche genutzt und verkauft. An Nutella, Almdudler, Vodafone, die Uniqa oder Superfund zum Beispiel.
Seit neuestem werden auch Liftstützen als Werbeträger genützt – die Montage der Plakate ist nur mit Kletterausrüstung möglich. Jüngster Coup sind aber die 25x3Meter „Mega-Megaboards“, die an der Station der Galzigbahn am Arlberg hängen.
Werbung finanziert Sicherheit
Ein gutes Geschäft – mit doppeltem Effekt, meint Sitour-Geschäftsführerin Franziska Thurner: „Werbung finanziert die Sicherheit auf der Piste.“ Die deutsche Erdgas etwa hat sich exklusiv im Pistenleitsystem eingekauft: Die Marke steht auf den blauen, roten, schwarzen Schildern, die den Skifahrern den Weg weisen.
Dabei ist das beworbene Produkt in Österreich gar nicht zu haben: „Die E.ON Ruhrgas in Essen bucht hier, weil sie den Urlaubsgast in den Ferien daran erinnern will, dass sie zu Hause für Wohlbefinden sorgt.“ Der Vorteil für die Liftbetreiber: Die durch Werbung finanzierten Hinweistafeln werden gratis aufgestellt. Die Werbekunden erkaufen sich damit auch einen Sympathie- und Imagetransfer: Jährlich führt das Gallup Institut eine Befragung durch: 82% der Wintersportler erinnerten sich spontan an Winterwerbung, der beste Sujet-Impactwert lag jüngst bei 57%. Und: Werbung im Skigebiet gilt als sympathisch.
Winterwerbung hat aber auch Tücken: „Alle Materialien müssen für den exponierten Einsatz geeignet sein.“ Neben extremen Temperatur- und Wettereinflüssen müssen die Werbeträger freilich auch den Bestimmungen entsprechen: „In Japan oder New York herrscht eine andere Luftfeuchtigkeit – da hatten wir bei den Panoramatafeln Probleme wegen der Dispersionsfarben.“ Einmal wurde eine wegen einer Termitenplage behandelte Holztafel aus den USA als „gefährliches Gefahrengut“ zurückgeschickt.
Keine Klimasorgen
Weniger heiter sind die Aussichten, die Klimaexperten dem Wintertourismus stellen. Bei Sitour macht man sich vorsorglich keine Sorgen: „Auf sieben fette Jahre kommen sieben magere – vielleicht wird es bald fünf zu fünf stehen“, meint Thurner. Das Auf und Ab habe auch einen Vorteil: „Die letzten Winter waren so gut, dass auch die kleineren Skigebiete gut gelebt haben. Heuer kommen die höher gelegenen Regionen dran.“
Inline Flex[Faktbox] DIE FAKTEN("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2007)