Zeitungen: "Standard" beruft Föderl-Schmid

Gerfried Sperl übergibt sein Amt im Juli an Österreichs erste Tageszeitungs-Chefredakteurin.

Das sei, meint Alexandra Föderl-Schmid, eine „mutige Entscheidung“ gewesen. Herausgeber Oscar Bronner, Geschäftsführer, Chefredakteur Gerfried Sperl und die Eigentümer des „Standard“ hatten sich einstimmig darauf geeinigt, Föderl-Schmid als Nachfolgerin Sperls zu bestellen. Eine Entscheidung, die in der Redaktion begrüßt wird. Die gebürtige Oberösterreicherin und ehemalige Berlin-Korrespondentin der Zeitung gehört jetzt schon als Wirtschaftsressortleiterin zu den wenigen Frauen in Medien-Führungsposition. Ab 1.Juli wird sie mit 36 Jahren die erste weibliche Chefredakteurin einer Tageszeitungsredaktion.

Sperl ist 65 und wollte ursprünglich länger bleiben. Dass die Entscheidung nun – für die Redaktion völlig überraschend – so rasch gefallen ist, begründet Sperl so: „Wenn man das sichere Gefühl hat, die Entscheidung über die Nachfolge läuft jetzt so, wie man es sich vorstellt, dann ist es gescheit, wenn man loslässt.“ Bronner dankte Sperl und meinte: „Ohne ihn wäre der ,Standard‘ nicht so, wie er ist.“ Für Sperl ist das Blatt „meine publizistische Heimat“. Der Abschied – es ist nur ein halber – falle ihm aber nicht schwer: „Da gibt es natürlich Wehmut – aber die weicht einer heiteren Gelassenheit, weil die richtige Nachfolgeentscheidung getroffen wurde.“

Kolumnist, aber nicht Co-Herausgeber

Kandidaten hätte es mehrere gegeben, etwa in der Riege der Chefs vom Dienst, vor allem Eric Frey und Thomas Mayer. Föderl-Schmid rechnet auch künftig mit deren guter Zusammenarbeit. Die Bestellung eines stellvertretenden Chefredakteurs sei „derzeit nicht vorgesehen“, sagt sie. Föderl-Schmid will weder über ihre Nachfolge im Wirtschaftsressort noch über programmatische Pläne etwas sagen: „Die Nachricht ist zu frisch, als dass da schon etwas entschieden wäre.“

Sperl wird in der Zeitung ab Juli eine wöchentliche Kolumne schreiben, weiter die „Montagsgespräche“ leiten („sonst hätte ich Entzugserscheinungen“) und als publizistischer Berater fungieren. Co-Herausgeber wird Sperl nicht – dem Vernehmen nach soll das ein Teil der Eigentümer abgelehnt haben. Wo er beraten wird? „Ich werde an der Entwicklung neuer Verlagsprodukte mitwirken – mehr wissen wir noch nicht.“ Im Sucher: Seite 41

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2007)


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