Chrysler kommt unter den Hammer

Auto. Dass DaimlerChrysler seinen US-Teil abgibt, wird immer wahrscheinlicher. Die Investmentbank JP Morgan soll ein Auktionsverfahren durchführen.

Wien (jaz/ag.).Vor nicht einmal einer Woche erklärte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche anlässlich der Bilanz 2006, dass er für die Zukunft des maroden US-Teils des Konzerns „keine Option ausschließe“. Dank dieses kurzen Satzes stieg der Börsenwert des Konzerns in den vergangenen Tagen um rund zwölf Prozent. Denn für die meisten Anleger bedeuteten die vorsichtigen Worte Zetsches, dass man sich in Stuttgart schlussendlich mit dem Scheitern der Fusion abgefunden hat und nun nach einer Möglichkeit sucht, um Chrysler wieder loszuwerden.

Darüber, wie diese Trennung von Chrysler vollzogen werden könnte, kursieren verschiedenste Möglichkeiten. Laut der britischen Tageszeitung „The Times“ wird die von DaimlerChrysler beauftragte Investmentbank JP Morgan bereits in dieser Woche Unterlagen an potenzielle Interessenten versenden und damit ein Auktionsverfahren einleiten. Laut „Wall Street Journal“ soll die Auktion sogar schon im kommenden März über die Bühne gehen. Das wird von vielen Experten jedoch als zu kurzfristig erachtet. Die Interessenten würden sich Chrysler aufgrund der angespannten wirtschaftlichen genau ansehen wollen.

Fraglich ist auch, wie viel das Unternehmen wert ist. Nach Angaben der „Times“ strebt der Mutterkonzern einen Verkaufserlös von 10,4 Mrd. Euro an. Laut Analyse der Bank of America ist Chrysler jedoch nur knapp vier Mrd. Euro wert. Auf jeden Fall wird der Verkaufserlös deutlich unter dem Wert zum Zeitpunkt der Übernahme durch Daimler im Jahr 1998 liegen. Damals war Chrysler noch etwa 27 Mrd. Euro wert.

GM will Jeep und Dodge

Auch bei den möglichen Interessenten werden unterschiedliche Namen genannt. Bereits am Wochenende wurde publik, dass es schon seit Wochen Gespräche zwischen General Motors (GM) und DaimlerChrysler über eine mögliche Übernahme von Teilen oder der gesamten Chrysler-Gruppe gibt. GM soll vor allem an den Chrysler-Töchtern Jeep und Dodge Interesse haben. Bei Analysten treffen diese Überlegungen jedoch auf Ablehnung. Sowohl GM als auch Chrysler leiden unter sinkenden Marktanteilen und hohen Verlusten.

Nun wurde auch der koreanische Hersteller Hyundai als möglicher Interessent genannt. Für diesen wäre vor allem das Vertriebsnetz von Chrysler in den USA ein Gewinn. Offiziell wird von Hyundai aber bereits abgewunken. Man sei mit der Expansion derzeit voll ausgelastet, so ein Sprecher. Doch nicht nur andere Autokonzerne kämen als mögliche Käufer in Frage. Das notwendige Kapital gäbe es auch bei Private-Equity-Fonds. Diese könnten Chrysler billig kaufen und danach sanieren oder in Einzelteilen gewinnbringend weiterverkaufen.

Börsengang oder Partnerschaft

Doch der Komplettverkauf soll nur eine von drei Varianten sein, die bei JP Morgan durchgespielt werden. So könnte Chrysler auch als Aktiengesellschaft abgespalten und danach an die Börse gebracht werden. Diese Variante wird von den meisten Analysten befürwortet. Allerdings würden so die wirtschaftlichen Probleme bei Chrysler nicht gelöst werden. Die dritte Möglichkeit wäre eine Partnerschaft mit einem anderen Autokonzern, der sich auch an Chrysler beteiligt. Dies könnte die bei der Fusion von Daimler und Chrysler 1998 erhofften Synergie- und Spareffekte bringen. Aufgrund der unterschiedlichen Markt-Ausrichtung von Mercedes und Chrysler sind diese bisher weitgehend ausgeblieben. Als mögliche Kandidaten für eine Zusammenarbeit werden von den Analysten Renault-Nissan, Hyundai und VW genannt.

Inline Flex[Faktbox] DER JOJO-KONZERN("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2007)

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