Stars in der Krise: Desperate Show-Wives aus Hollywood

Lindsay Lohan und Kate Moss machten es vor – der freiwillige Entzug ist derzeit offenbar schick. Seit Dienstag ist Britney Spears Patientin in einer Entzugsklinik.

Es wirkt fast so, als hätte sie den Zeitpunkt bewusst gewählt: Rechtzeitig zum Beginn der Fastenzeit ließ sich Britney Spears in eine Entzugsklinik einweisen. Mit dem Fasten und Entschlacken hat ihr Entschluss aber weniger zu tun, als mit der Tatsache, dass die Sängerin offenbar in einer schweren Krise steckt. Am Montagabend soll das Pop-Sternchen eine Drogenklinik in Malibu bezogen haben. „Freiwillig“, wie ihr Manager Larry Rudolph der US-Zeitschrift „People“ sagte.

Dieser Nachricht, die in den USA und auf der ganzen Welt nicht nur die Titelseiten von Boulevardblättern ziert, sondern auch dem Nachrichtensender „CNN“ und der „New York Times“ ausführliche Meldungen wert waren, waren Fotos einer skurril-schrägen Nacht am vergangenen Wochenende vorausgegangen. Spears – im grauen Kapuzenpullover mit abwesendem Blick – stürmte einen Friseur im kalifornischen Örtchen Tarzana und verlangte nach einer Kahlrasur. Weil ihr die Friseurin das verweigert, greift Spears kurzerhand selbst zur Schere. Als „Newly bald Britney“ („LA Times“) besorgt sie sich anschließend noch zwei Tattoos – die halten im Gegensatz zur Frisur ewig.


Die Mitarbeiter des Friseursalons berichteten nachher allen jenen, die danach fragten, dass „Britney verwirrt und verzweifelt“ gewirkt habe. Der Hausherrin von „Esther's Haircutting Studio“, Esther Tognozzi, bringt der prominente Besuch aber nicht nur enorm viel Publicity, sondern auch so viel Geld, dass daraus wahrscheinlich ein Eintrag im Guinness Buch der Rekorde für den „teuersten Haarschnitt der Welt“ werden könnte. Tognozzi richtete eine eigene Web-Site zur Versteigerung der abgeschnittenen Spears-Mähne (plus dem verwendeten Haarschneidegerät) ein. Gebote werden ab einer Mio. Dollar (760.000 Euro!) entgegengenommen.

Der schlechte seelische Zustand der Sängerin, die mit 18 mit Liedern wie „Baby one more time“ weltweit Erfolge feierte, konnte in den vergangene Monaten zumindest erahnt werden. Die einst mit dem Image der „ewigen Jungfrau“ spielende Pop-Prinzessin fiel nach der Trennung von ihrem Ex-Mann Kevin Federline im vergangenen Herbst nur mehr mit Alkohol-Exzessen, Unterhosen-losen Fotos und eben jetzt mit der Radikalrasur auf, mit der sie angeblich vor allem ihre erfolgssüchtige Mutter treffen wollte.

Mit ihrer Entscheidung in einer Entzugsklinik Hilfe zu suchen, ist die zweifache Mutter (Wo sind eigentlich ihre beiden Söhne?) derzeit nicht allein. Die ewig krisen-geschüttelte Schauspielerin Lindsay Lohan ließ sich zuletzt professionell helfen. Auch die „Desperate Housewives“-Darstellerin Nicolette Sheridan soll sich diese Woche in weiser Voraussicht in eine Klinik in London begeben haben. Sie würde sich fühlen, als ob sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch stünde.

Hinter der Flut an Negativ-Schlagzeilen bei Britney Spears vermuten manche jetzt sogar eine besonders perfide Art von Eigen-PR. Es gibt eben nichts, was nicht überinterpretiert werden kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2007)


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