Ab Montag dreht der ORF in Liesing die Daily Soap „Mitten im Achten“. Ein Lokalaugenschein.
Szenenbildner Frank Godt ist begeistert: So etwas Tolles wie den ORF-Fundus habe er noch nie gesehen. Sogar eine goldene Klomuschel hat er dort erspäht – und unverzüglich im „Häusl“ jener Wohngemeinschaft eingebaut, deren Bewohner ab 10.April den Hauptnachrichten und Privatsendern Konkurrenz machen.
Bunte Buddhas statt Bartenstein und Westenthaler, „Mitten im Achten“ statt „Zeit im Bild“ – schon beim ersten Rundgang durch das 1600-Quadratmeter-Set in der Breitenfurter Straße (in Wien-Liesing) wird klar: Der ORF hat keinesfalls vor, zu kleckern. Godt hat mit seiner Mannschaft elf bis ins liebevolle Detail an ihre Bewohner (und die zahlende Werbewirtschaft) angepasste Zimmer aus dem Hallenboden gestampft, ein Kaffeehaus samt Nirosta-Küche eingerichtet, Marken-Chips-Packungen und Luxus-Fernseher in die Kulisse gestellt. „Der Taubendreck kommt erst“, beruhigt er. Alles soll wie echt aussehen, wenn kommenden Montag, 8 Uhr, der Dreh beginnt.
„Mitten im Achten“ spielt in zwei Häusern: Eines beherbergt die gutbürgerliche Familie Steinlechner (die Kabarettisten Gerold Rudle und Verena Scheitz als Eltern; der schon in In 3 Tagen bist du tot gestorbene Laurence Rupp, Maria Schuchter und Rudles Tochter Nikola als deren Kinder), das andere ist eher verkommen und Heimstatt einer WG (Musical-Studentin Iréna Flury gibt sich spießig, Barbara Daudelka als blonde Chaotin, Reinhardt-Seminar-Absolvent Michael Pascher ist Frauenversteher, Martin Maier der Frauenschwarm). Nicht zu vergessen Max „Taxi Orange“ Schmiedl und Angelika Niedetzky als Lokal-Betreiber, Veronika Polly als Kellnerin und Christoph Fälbl als Stammgast: „Ich gebe meinen Senf dazu – gefragt und ungefragt.“ Er gehört zum Lokalkolorit wie die Bassena am Gang.
Konserven-Lacher und Schenkel-Klopfer
In der WG stapelt sich das dreckige Geschirr in der ehemaligen Mundl-Spüle (die, aus der man eine Badewanne herausziehen kann) und ein in Mull gehüllter Holz-Sechsender erinnert an pubertären Weltverbesserungs-Radikalismus. „Da wird der Zeitgeist widergespiegelt“, glaubt Kaudelka, die die WG auch ihrer Freundin empfehlen würde: „Wir funken ja alle auf einer Wellenlänge.“
„Gefunkt“ wird nicht nur nach Drehbuch, sondern wie der Schnabel gewachsen ist: „Der Inhalt ist vorgegeben, aber wir können reden, wie wir wollen“, erzählt Flury. Von eingespielten Konserven-Lachern, wie sie im Piloten zu hören sind, halten die Jungen nicht viel. Laut Drehbuch werde sich das Publikum ohnehin die Schenkel klopfen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2007)