Artenschutz. Der illegale Handel mit gewilderten Stoßzähnen, der besiegt schien, blüht üppiger denn je. Forscher erkunden mit Gen-Analysen die Herkunft der Ware.
Ende Juni 2002 kam von der Wildlife Authority Sambias und dem Anti-Corruption Bureau Malawis eine Meldung an die Zollbehörden in Ostasien: Auf irgendeinem Schiff sei ein Sechs-Meter-Container mit über 6,5Tonnen Elefantenelfenbein unterwegs. Kurz darauf wurde er gefunden, im Hafen von Singapur, geöffnet wurde er auch: 532 Stoßzähne mit einem Durchschnittsgewicht von elf Kilo – das ist vergleichsweise sehr viel – und 42.000 „Hankos“, das sind kleine Zylinder, die aus Stoßzähnen geschnitten werden und in Ostasien als Siegel begehrt sind.
Allein für diesen Container waren ungefähr 3000 bis 6500 Elefanten gewildert worden, schätzt eine Gruppe um den Biologen Samuel Wasser (University of Washington, Seattle). Aber es gab nicht nur diesen Container: Zwischen August 2005 und 2006 wurden vom Zoll in Ostasien zwölf größere Sendungen mit insgesamt 23.461 Kilo Elfenbein aus Afrika beschlagnahmt. Nimmt man den Erfahrungswert bei anderen illegalen Handelsgütern – Drogen, Waffen, Raub-CDs –, erwischt der Zoll etwa zehn Prozent. Es wurden also etwa 234.610Kilo Elfenbein verschifft, macht um die 23.000 Elefanten.
Und den Vergleichswert anderer illegaler Güter muss man nehmen, weil das Elfenbein-Problem gelöst schien: Seit 1989 ist durch die internationale Naturschutzbehörde CITES jeder Handel verboten (Ausnahme: Elfenbein von natürlich verstorbenen Tiere und das, das Wilderern abgenommen wurde, darf auf Antrag bei der CITES exportiert werden). Zuvor, von 1979 bis 1987, waren die afrikanischen Bestände von 1,3 Millionen auf 600.000 ausgedünnt worden, dann wurde der Handel abrupt und erfolgreich gestoppt, es gab viel westliche Hilfe für die Ursprungsländer – meist Armenhäuser –, 1993 wurde sie eingestellt. Seitdem wächst das Problem wieder, der Markt ist hungrig, in China/Japan zahlten Importeure Ende der 90er-Jahre 100Dollar pro Kilo, 2004 zahlten sie 200, jetzt 750, möglicherweise wird zu spekulativen Zwecken aufgekauft.
Aber wo? Seit Jahren arbeitet die Forschergruppe daran, die Herkunft von Elfenbein zu rekonstruieren, mit Gen-Analysen. Sie zeigen, ob die Stoßzähne von Wald- oder Steppen-Elefanten kommen, das gibt eine geografische Groborientierung. Und in der Feinanalyse kommt man auf 500 bis 900 Kilometer an den Ursprungsort (sofern man Referenz-Elfenbein hat): „Das Elfenbein kam vollständig von Steppen-Elefanten, und zwar höchstwahrscheinlich aus einem schmalen Ost/West-Band in Südafrika mit dem Zentrum in Sambia“ (Pnas, 26.2.).
Armes Land, dynamischer Markt
Wie es der Zufall will, hatte Sambia gerade bei der CITES einen Export beantragt: In den letzten zehn Jahren seien 135 gewilderte Tiere beschlagnahmt worden. „Das steht in hartem Widerspruch zu unserer Schätzung von 3000 bis 6500 allein für die eine Sendung“, erklären die Forscher, weisen aber auch auf die Zentralpunkte des Problems hin: „Wie soll ein armes Land wie Sambia ohne internationale Hilfe etwas gegen den dynamischen Markt Ostasiens tun? Vor allem Chinas Bedarf könnte sämtliche Elefanten Afrikas und Asiens gefährden.“ Und nicht nur das Land ist arm, seine Bewohner sind es auch – und mancherorts hat der Elefantenschutz zu vermehrten Konflikten zwischen Elefanten und Bauern geführt.
Inline Flex[Faktbox] CITES: Artenschutz("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2007)