Kommunikation. Die Warnrufe der Meisen informieren über die Art der Bedrohung.
C
hick-a-dee! Chick-a-dee!" So rufen die Schwarzkopf-Meisen (Poecile atricapilla) in Nordamerika, des halb nennt man sie auch "Chickadee". Und wenn man nicht genau hinhört, klingen ihre Rufe immer gleich. Aber sie haben ein Repertoire, zumindest unter jenen Rufen, mit denen sie ihre Artgenossen vor Gefahr warnen: Sehen sie einen Raubvogel kreisen oder die Katze heranschleichen, verändern sie Tonhöhe und Ruflänge, sie hängen dann bis zu 15 "dees" an, so kurz und rasch, dass nur ausgefeilte Tontechnik sie auseinander sortieren kann. Deshalb haben sich Biologen der University of Montana mit Hochleistungs-Mikrofonen an den Rand eines Meisen-Habitats gestellt und etwas vorgezeigt: Raubtiere, Eulen, Frettchen. Entdeckt eine Meise die Gefahr, alarmiert sie die anderen - außerhalb der Brutzeit leben sie in kleinen Sozialverbänden -, und zwar je nach Gefahr: In diesen Signalen stecken Informationen sowohl über Art und Größe der Räuber wie auch über das angemessene Verhalten.
Kreist ein Räuber in der Luft, bedeutet das Signal: "Abducken! Verstecken!" Sitzt hingegen einer auf dem Boden, heißt es "Zusammenrotten! Verjagen!" Zudem geht es um die Größe: Große Eulen sind eine kleine Gefahr, kleine eine große, sie sind so wendig wie die Meisen selbst, der Alarm ist dringlicher. Aber an der Größe allein liegt es nicht, die Meisen kennen ihre Eulen, auf andere, gleich große, aber harmlose Vögel reagieren sie nicht (Science, 308, S. 1934).
Damit reihen sich die Chikadees als erste Vögel in die immer größer werdende Gruppe sozialer Tiere ein, die über einen breiten Warnruf-Fundus verfügen. Diana-Meerkatzen in den Wäldern der Elfenbeinküste haben einen Leoparden-Alarm und einen Adler-Alarm, Erdmännchen in Südafrika warnen mit speziellen Rufen vor Vögeln, Schlangen und Säugetieren, sie informieren zudem darüber, wie nahe die Gefahr ist.
Warnen sie wirklich, informieren sie wirklich? Lange ging man davon aus, dass in der Kommunikation der Tiere nur Emotionen übermittelt werden, aber keine Bedeutungen, Referenzen, das sollte der menschlichen Sprache vorbehalten bleiben. Aber das ist eine fragwürdige Unterscheidung: Wenn wir mit einem Kind spazieren gehen, das bei jeder gefundenen Erdbeere vor Freude "Juhu" ruft - eine rein emotionale Äußerung -, werden wir selbst sie rasch als "Erdbeere" zu interpretieren wissen.
So scheint es auch bei Tieren zu sein. Zwar warnen sie nur, wenn ein Artgenosse in der Gegend ist - zumindest Hühner machen es im Experiment so -, aber nach derzeitigem Stand informieren sie nicht mit Absicht und über Inhalte, sondern sie schreien oder pfeifen vor Schreck. Aber in diesem Schrei oder Pfiff steckt die Information. Wer sie hört, muss nur verstehen lernen, was sie bedeuten.