Archäologie: Alexandria, das Oxford der Antike

Neue Funde: Zeugnisse des Höhepunkts, Gründe des Niedergangs.

"Dann liegt eine Insel im wogenstürmenden Meere / vor des Aigyptos Strome, die Menschen nennen sie Pharos." Diese Stimme hörte Alexander der Große 332 v. Chr. in einem Traum, es war die von Homer selbst. Der Heerführer nahm die Anregung auf und gründete die Stadt an der Mündung des Nil. Zehn Jahre später starb er, sein General Ptolemäus beendete das Werk, die Stadt blühte auf, sie wurde zum bedeutendsten Hafen im östlichen Mittelmeer, beherbergte Hunderttausende Menschen, schmückte sich mit dem Leuchtturm und der Bibliothek. Es ist umstritten, ob sie wirklich bei Cäsars Eroberung brannte, es ist auch unklar, warum Alexandria als einzige der antiken Großstädte später, im 8. Jahrhundert, jede Bedeutung verlor.

Inzwischen wächst die Stadt wieder, zu Beginn der 90er-Jahre hatte sie sechs Millionen Einwohner, seitdem graben die Archäologen im Wettlauf mit den Baggern, seitdem dürfen sie auch in die versunkenen Hafenteile tauchen. Allerdings darf das nur einer, die University of Oxford hat ein Exklusivrecht an den Hobby-Archäologen Frank Goddio vergeben und damit so viel böses Blut gemacht, dass viele Vertreter der Zunft zu einem Bilanz-Kongress erst gar nicht nach Oxford gekommen sind. Spannendes gab es doch: Ein polnisches Team um Grzegorz Majcherek hat in der Stadt 16 Vorlesungssäle gefunden, die noch im 5. und 6. Jahrhundert errichtet wurden. Bisher vermutete man, dass die intellektuelle Blüte damals längst vorüber war, nun nennt Majcherek die Stadt das "Oxford der Antike" (Science, 307, S. 1192).

Goddio dringt auch in die andere Zeitrichtung vor, er hat Fundamente gesichtet, die lange vor Alexander gelegt wurden. Getaucht wurde auch in anderen versunkenen Städten der Region, mit dabei ein Geologe, Jean-Daniel Stanley (Smithsonian Institution). Er hat bemerkt, dass die ganze Region wenig tragfähig ist, Beben und Tsunamis haben sie durchgerüttelt und den Grund destabilisert, dass ganze Städte darin versanken. Alexandria selbst stand eher günstig, es hat nur den Hafen im Meer verloren - Homers Rat war nicht schlecht.


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