Archäologie. Funde in Ägypten deuten auf ein Bronzezeit-Monopol.
I
n der späten Bronzezeit, zwischen 1500 und 1000 v. Chr., tauchten in Mesopo tamien, Ägypten und bei anderen An rainern des östlichen Mittelmeers, Gegenstände aus Glas auf. Die waren oft kunstvoll eingefärbt und mit Edelsteinen besetzt - extrem teure Prestige-Objekte, mit denen die herrschenden Eliten sich gegenseitig ihrer Loyalität versicherten. Nur, wo kam der Luxus her? Darüber wird debattiert, seit Sir Flenders Petrie 1891 in Tell el-Armana Spuren einer Glas-Produktion gefunden hat. Aber es ist unklar, ob Glas dort hergestellt und verarbeitet wurde - oder nur verarbeitet, aus einem Halbfertigprodukt, das woanders her kam, vielleicht aus Mesopotamien. Darauf deutet der Stil der Gegenstände, darauf deutet ein Tontäfelchen aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., auf dem der Wunsch des Pharaos Echnaton verzeichnet ist, man möge Glas nach Ägypten bringen.
Aber schriftliche Zeugnisse und Stilanalysen sind nicht das einzige Mittel, die Herkunft zu eruieren, man hat schließlich das gefundene Glas, und das sollte doch in seiner spezifischen Zusammensetzung zeigen, wo es herkommt. Das ägyptische Glas ist aus Silikaten gemacht - vermutlich aus Quartz (SiO2) - und aus sodareicher Pflanzenasche. Aber diese Analysen brachten keine Klarheit, man hat keinen chemischen Fingerabdruck gefunden: Wird Glas bei niederen Temperaturen erschmolzen, geht nur das hinein, was einen niederen Schmelzpunkt hat, dann sieht Glas verschiedener Herkunft ähnlich aus.
Diese Tücke des Herstellungsprozesses bemerkte der britische Archäologe Thilo Rehren (University College London) im Jahr 2000, seitdem sucht er andere verwertbare Spuren. Nun hat er sie gefunden, in Qantir-Pramesses im östlichen Nildelta. Dort war im 13. Jahrhundert v. Chr. eine Glasfabrik, dort haben sich Gefäße erhalten, in denen Glas geschmolzen wurde - und Gefäße, in denen es verarbeitet wurde. Beide sind aus Ton, dem man heute noch ablesen kann, bis zu welchen Temperaturen er erhitzt wurde. Erst wurde der Quarzsand bei 900 bis 950 Grad geschmolzen, dann ließ man das Glas erkalten, zerschlug und zerrieb es und reinigte es mit Wasser von Resten der Pflanzen-Asche. Im zweiten Schritt wurde es neuerlich geschmolzen, bei 1000 bis 1100 Grad koloriert und in transportable Barren gegossen (Science, 308, S. 1756).
Die Spezialität war das schwer herzustellende rote Glas - man mischte dazu Kupfer bei -, blaues, mit Cadmium, ist einfacher zu erzeugen. Dieser Rohstoff ging dann in Spezialwerkstätten, die die polychromen Endprodukte herstellten. Oder es ging gleich in den Export, man findet dieses Glas häufig im Mittelmeerraum: "In der späten Bronzezeit hatte Ägypten ein Monopol auf den Export von Luxusglas", erklärt ein Begleitkommentar: "Das wurde auch auch als Währung in der Diplomatie eingesetzt."