Evolution. Auch Schimpansen sind Rechts- oder Linkshänder.
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on außen sehen Tiere ganz symme trisch aus, es gibt ein Rechts und Links. Aber im Inneren ist alles ein seitig verteilt, bei uns sitzt das Herz meist links, auch das Gehirn hat unterschiedliche Hälften, die linke soll für Intellektuelles zuständig sein - vor allem für Sprache -, die rechte für Emotionales. Zudem sollen die Befehlsbahnen kreuzweise nach außen gehen und den inneren Symmetriebruch zeigen: Die linke Hirnhälfte steuert die rechte Hand, und weil in der linken die Sprachzentren sitzen, wird beides in Verbindung gebracht, die Feinmotorik, die es zum Sprechen braucht, und die, die es für die Hand braucht. Schluss: Wir sind Rechtshänder, weil wir Sprache haben, oder umgekehrt: Wir haben das Sprachzentrum links im Gehirn, weil wir zuerst mit Gesten der rechten Hand kommuniziert haben.
Die Alternative ist nicht entschieden, und so generell stimmt ihre Grundlage ohnehin nicht, nur 90 Prozent von uns bevorzugen die "gute" rechte Hand, und wie viele davon in der Kindheit dazu gezwungen wurden, ist umstritten. Sicher hingegen ist, dass beim überwiegenden Teil der Linkshänder auch das Sprachzentrum links sitzt, bei einer Minderheit rechts. Trotzdem ist der Zusammenhang so auffällig, dass viele Forscher Sprache und Rechtshändigkeit verbinden - und beide nur dem Menschen zusprechen: Außer uns spricht niemand, und außer uns hat niemand eine bevorzugte Hand, beides kann erst entstanden sein, nachdem unsere Ahnen sich vor fünf Millionen Jahren von denen der Schimpansen getrennt haben.
Auch das stimmt so nicht, viele Tiere haben Verhaltens-Asymmetrien, Vögel bevorzugen für verschiedene Aufgaben verschiedene Augen, Kröten putzen sich mit Lieblingsbeinen. Nur bei unseren nächsten Verwandten sah es so aus, als hätten sie keine Händigkeit und würden nach Zufall zugreifen. Zwar hat man bei Schimpansen in Gefangenschaft ein Überwiegen der Rechtshänder bemerkt - aber das kann auch daran liegen, dass sie es von ihren überwiegend rechtshändigen Pflegern lernen.
Jetzt hat William Hopkins (Emory University, Atlanta) mit Beobachtungen in der Natur gezeigt, dass auch Schimpansen Händigkeit haben. Und was für eine: Eine Gruppe, die mit Ästen nach Termiten angelt, ist überwiegend linkshändig, eine andere, die mit Steinen Nüsse knackt, überwiegend rechtshändig (Pnas, 16. 8.). Das klärt eines - Händigkeit ist älter als der Mensch - und macht den Rest komplizierter: Keine der beiden Gruppen benutzt beide Werkzeuge. Liegt es an denen, wie das Gehirn gebaut wird, Termiten-Angeln braucht Geschick, Nussknacken Kraft? Eher nicht, Hopkins hat früher gezeigt, dass Schimpansen ähnlich unterschiedliche Hirnhälften haben wie wir.
Wenn aber Hirn und Hand nicht so eng verbunden sind, woher dann Händigkeit? Rechtshändigkeit? Vielleicht haben wir sie mit den Waffen erfunden: Die Linke schützt das Herz, die Rechte führt das Schwert.