US-Forscher finden ein Aufputschmittel ohne Nebenwirkung.
Warum wir ein Drittel unseres Lebens verschlafen, und warum auch alle anderen Tiere schlafen, ist ungeklärt, es gibt nur Hypothesen, vermutlich geht das Gehirn den Tag noch einmal durch und lernt. Fest steht nur, dass man ohne Schlaf nicht lange lebt - Ratten sterben an Schlafentzug rascher als an Futterentzug, auch die Folterer kennen sich damit aus -, und dass schon bei Schlafmangel die Leistungsfähigkeit leidet. Es gibt aber Berufe bzw. Situationen, in denen sich das Schlafen verbietet und in denen jede Konzentrationsstörung tödlich sein kann. Der übermüdete Chirurg darf keinen falschen Schnitt führen, der Kampfpilot kann sich keinen Sekundenschlaf leisten.
Deshalb kommt viel Geld für die Schlafforschung vom Militär, etwa von der "Advanced Research Projects Agency" des US-Verteidigungsministeriums. Eine Tranche ging an die Wake Forest University, North Carolina, dort hat man damit nach einem Aufputschmittel gesucht, das keine Nebenwirkungen hat, etwa keine Hyperaktivität mit sich bringt wie zu hoher Koffeinkonsum. Fündig wurde man bei einer Substanz, die CX717 heißt und zu den Ampakinen gehört. CX717 setzt sich im Gehirn auf Rezeptoren für den Neurotransmitter Glutamat, es verstärkt seine Wirkung, es hält und macht wach (Plos, 23. 8.).
Zumindest Affen. Manche hat man erst in einen Konzentrationstest eingelernt - Bilder auf einem PC-Schirm zu ordnen - und sie dann 36 Stunden nicht schlafen lassen, bei Menschen entspräche das drei Tagen. Entsprechend schlecht lösten sie die Aufgabe, aber mit CX717 wurden sie munter wie zuvor. Und wenn man ihnen das Mittel gibt, wenn sie ausgeschlafen sind, steigt ihre Leistungsfähigkeit. Zudem haben die Forscher mit bildgebenden Verfahren beobachtet, was im Gehirn vor sich geht: CX717 wirkt in den Regionen - und nur in ihnen -, die bei Übermüdung ihre Aktivität ändern: Die Großhirnrinde, zuständig für komplexere Informationsverarbeitung, wird dann matt, die Schläfenlappen, die beim Kurzzeitgedächtnis mitwirken, werden aktiver. Beide bringt CX717 in den Normalzustand.
"Das ist ein faszinierender Ansatz", lobt Gary Lynch - Entdecker der Ampakine - seine Kollegen: "Er könnte sehr, sehr große soziale und ökonomische Folgen haben."