Psychologie: Babyface ins Parlament? Keine Chance!

Nicht das politische Programm, die Schädelform der Kandidaten entscheidet.

Wenn Wahlen nahen und die Kandidaten ihre Gesichter vor den Kameras ins günstige Licht rücken, bemüht sich jeder um einen Gesichtsausdruck, der Entschlossenheit, Vertrauenswürdigkeit und andere Qualitäten vermitteln soll, die des Wählers Hand beim Votum leiten mögen. Allein, die Mühe ist vergebens, in den meisten Fällen wenigstens, die Wähler entscheiden nach einem Kriterium, das noch äußerlicher ist als die Politiker-Maske. Es geht schlicht um die Physiognomie: Fast drei Viertel der in den US-Senatswahlen 2004 erfolgreichen Kandidaten waren deshalb erfolgreich, weil ihre Schädelform, ja, die Form, sie privilegierte. Hart und kantig muss ein Politikerkopf sein, das macht Eindruck: den der Kompetenz.

Wer hingegen ein Babyface hat - rundes Gesicht, große Augen, kleine Nase, kleines Kinn -, der kann sich die Investitionen an Geld und Stimmband sparen, da hilft kein Lächeln, da hilft kein Parteiprogramm, die Entscheidung fällt auf den ersten Blick, rasch, ohne Reflexion, Psychologen nennen das einen "System-1-Prozess". Es gibt auch einen "System-2-Prozess", in dem vernünftig abgewogen wird, aber der ändert nichts mehr. Zu diesem ernüchternden Befund kommen Psychologen der Princeton University, die Testpersonen die Fotos von Senats-Kandidaten aus dem Jahr 2004 vorlegten und sie um ihre Wahl baten (wurde ein Senator erkannt, wurde das Bild aus der Analyse ausgeschieden).

Die Entscheidung stand nach einer Sekunde fest, sie orientierte sich an einem Kriterium: Kompetenz. Vertrauenswürdigkeit oder Charisma spielen keine Rolle. Und Kompetenz strahlt der Kantige aus, das gilt für männliche und weibliche Kandidaten jeder Hautfarbe. Und es gilt für alle Wähler: Ein Weißer zieht ein kantiges Gesicht auch dann vor, wenn es schwarz ist, und umgekehrt. Vergleicht man die fiktive Wahl im Labor mit der echten, stimmen die Ergebnisse zu 71,6 Prozent überein (Science, 308, S. 1623). Die Präferenz ist umso frappierender, als das Auge trügt, ein Babyface sieht nur naiv und schwach aus. Seine Träger sind in Wahrheit ein wenig intelligenter, haben eine bessere Ausbildung und mehr militärische Orden an der Brust.

In andere Bereichen geht es ähnlich zu: Bei Gericht finden Angeklagte mit Babyface mehr Vertrauen, Filme gehen gar mit der Konjunktur, in guten Zeiten werden die Rollen weich besetzt, in harten hart. Und Darwin berichtete in seiner Autobiografie, dass er fast nicht an Bord des "Beagle" gekommen wäre - das ist das Schiff, auf dem er die Grundlagen für die Evolutionstheorie zusammentrug -, weil dem Kapitän seine Nase nicht passte, im Wortsinn: "Er glaubte nicht, dass ein Mensch mit einer solchen Nase genügend Energie und Entschlusskraft hat."


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