Sicherheitsforschung: Gefahr, nichts wie hinaus! Aber wie?

Experten sorgen sich um die Evakuierung von Hochhäusern bei Katastrophen.

In den 102 Minuten zwischen dem Aufprall des ersten Flugzeugs und dem Einsturz beider Türme des World Trade Center am 11. September 2001 sind etwa 2000 Menschen gestorben, 500 durch den Aufprall, 1500 auf den verstopften Treppen. Und die Büros waren noch nicht voll, die Attacke kam morgens: Wären alle 40.000, die in den Türmen einen Arbeitsplatz haben, dort gewesen, hätte sich die Zahl der Opfer auf 14.000 erhöht. Diese Kalkulation präsentierte Jason Averill, Feuersicherheitsingenieur, bei einer Tagung über "Evakuierungs-Dynamik" in Wien (Science, 310, S. 219). Dort war man sich einig, dass kein Wolkenkratzer so gebaut ist, dass alle Menschen evakuiert werden können: Treppenhäuser und Notausgänge sind darauf ausgelegt, dass einige Stockwerke rasch geräumt werden können, wenn es brennt. Aber Investoren und Architekten planen immer höher, und die Forscher stehen am Anfang, John Kerridge (Edinburgh) hat in Städten Fußgänger beobachtet, in London sind sie rascher unterwegs als in New York: "Es ist erstaunlich, dass sie nicht viel öfter ineinander rennen", erklärt der Forscher, der klären will, wie Passanten auf die Körpersprache anderer so rasch reagieren, dass sie nicht zusammenstoßen: "Wir könnten viel darüber lernen, welche Geometrie Gänge haben sollen."

Aber wenn etwas passiert, was uns in Furcht versetzt, wird alles anders, dann werden wir zu einer Masse, die zunächst Zeit verliert - zur Information schaut man andere an - und sich dann gemeinsam in Bewegung setzt, wie eine Tierherde, ohne klares Ziel, oft blind vorbei an rettenden Türen. So lange, bis es zu dicht wird: Die meisten Opfer einer Panik werden nicht zu Tode getrampelt, sondern im Stehen erdrückt. "Es ist grauenhaft", schilderte Jake Pauls, Architektur-Sicherheits-Experte aus Maryland: "Auf einen Schlag wird alles still, wenn die Lungen zusammengedrückt werden. Niemand begreift, was passiert, weil die Menschen still sterben."

Kann kluge Planung das verhindern? Wenigstens mildern: Einer der Türme des World Trade Center hatte ein autonomes, auch bei Brand nutzbares Liftsystem. Das half. Es hätte auch geholfen, wenn beide Türme mit Brücken verbunden gewesen wären, die zusätzliche Wege geöffnet hätten. Man denkt auch an Exotisches, bis hin zur Ausgabe von Fallschirmen.

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