Die Entgasung von Kohlendioxid ist bisher erfolgreich, muss aber intensiviert werden.
Am 21. August 1986 explodierte Lake Nyos, ein 208 Meter tiefer Kratersee in Kamerun. Der Knall war kilometerweit zu hören, Augenzeugen auf nahen Bergen sahen eine 50 Meter dicke Gaswolke aus dem Wasser steigen, die erst dicht über dem Wasser hing und dann mit 50 Stundenkilometern als "schwarzer Strom" zwei Täler hinabfloss. Wer dort lebte, hatte keine Chance, 1800 Menschen und 3500 Nutztiere erstickten. Was aus dem See gekommen war, war Kohlendioxid, CO2, ein Gas, das ungiftig ist, aber bei Konzentrationen von über zehn Prozent den Atem nimmt. Eine ähnliche, kleinere Katastrophe hatte sich zwei Jahre zuvor am benachbarten Lake Nounou ereignet, die Überlebenden wurden evakuiert, sie leben heute noch in Flüchtlingslagern.
Wie kommt Kohlendioxid in einen See? Von unten, durch Spalten. Und warum steigt es nicht einfach auf? Weil die Seen tief sind und von den Kraterwänden vor Wind geschützt, einfrieren können sie in Kamerun auch nicht. Deshalb durchmischt sich das Wasser nicht, es ist geschichtet wie eine Torte. Unten wird es mit CO2 angereichert, das durch den Druck des auf ihm lastenden Wassers flüssig gehalten wird - lange, aber irgendwann ist zu viel da, dann schießt es in Blasen heraus wie Champagner aus der Flasche. Oder das Wasser wird durch Erdbeben oder Bergrutsche instabil.
Was 1986 den See "öffnete", ist unbekannt, aber seitdem sucht man nach Abhilfe, diese Naturkatastrophe ist eine der wenigen, die sich absehen und - vielleicht - abwenden lässt, 1995 begannen die ersten Experimente: Man hängte Röhren in die Seen, durch die CO2-haltiges Wasser aus der Tiefe herausschießt, 30 Meter hoch steigt die Fontäne. Zunächst war die Skepsis groß, viele fürchteten, dass die nächste Katastrophe dadurch erst ausgelöst werden könne. Aber seit einem Großversuch 2001 ist geklärt, dass das Verfahren sicher ist.
Ist es auch effektiv? Ein Team um Georg Kling, University of Michigan, hat erste Bilanz gezogen, sie fällt zwiespältig aus: "Die Strategie hat das Risiko gefährlicher Gasausbrüche reduziert, aber in den Seen ist noch gefährlich viel, das letale Konsequenzen haben könnte" (Pnas, 26. 9.). Um die Rohre herum ist alles CO2 abgesaugt, man braucht neue, längere. Gelingt es bei Nyos und Mounoun endgültig, wartet an der Grenze zwischen Ruanda und der Republik Kongo ein Riese, Lake Kuvu, in ihm lagert tausend Mal so viel CO2 wie in Nyos und Mounun zusammen (Science, 309, S. 1155). Und in ihm lagern riesige Mengen Methan, bis zur Jahrhundertwende soll sein Druck so steigen, dass es aufsteigt. Könnte man es zuvor geordnet aus der Tiefe bringen, hätte man die Katastrophe abgewehrt - und die Energieversorgung der Region gesichert.