Zweifel. Koreaner bringt Forschungsfeld in Bedrängnis.
Sind die beiden Forschungsergebnisse, die bisher als die wichtigsten der letzten zwei Jahre galten, Produkt einer Fälschung? Beide stammen aus dem Labor von Woo Suk Hwang, Seoul National University, bei beiden geht es um Stammzellen, beide wurden in Science publiziert: 2004 berichtete Hwang, ihm sei es erstmals gelungen, embryonale Stammzellen von Menschen zu produzieren, 2005 veröffentlichte er - gemeinsam mit Gerald Schatten, University of Pittsburgh - den ersten Erfolg bei der Herstellung solcher Zellen von und für individuelle Patienten.
Nun steht in einem Brief an Science anderes: das Stichwort "Fälschung" ("scientific misconduct"). Der Brief ist nicht von irgendjemandem unterzeichnet, sondern von (fast) allen führenden Stammzell-Forschern des Erdenrunds: Ian Wilmut, Schöpfer des Klonschafs "Dolly", führt die Liste an, seine damaligen Mitarbeiter Alan Colman und Keith Campbell sind dabei, John Gearhart ist dabei - er hat die ersten menschlichen Stammzellen identifiziert -, Austin Smith, Michael West, Robert Lanza, alles große Namen, eine große Sorge: Das gesamte Feld der Stammzell-Forschung ist in Gefahr.
Alles begann am 10. November, als anonyme Hinweise in Korea auftauchten und Schatten Science informierte: Hwang habe Eizellen - die braucht man zur Produktion der Stammzellen - von Mitarbeiterinnen genommen, also von Abhängigen, und er habe dafür bezahlt. Beides verstößt gegen die Ethik, in anderen Stammzell-Labors wurden die Köpfe geschüttelt, an Hwangs Ergebnissen zweifelte keiner. Einen Tag später kam es dicker: Schatten sagte sich von Hwang los und ließ Science wissen, in Hwangs Arbeit von 2004 stünden falsche Daten. Aber Science stellte sich hinter Hwang - es geht auch um das eigene Renommee, Science streitet mit Nature um den Titel des wichtigsten Wissenschaftsjournals -, das tat Science auch noch am 4. Dezember, als sich herausstellte, dass einige Fotos in der Publikation 2005 nicht stimmten: Es sei eine Verwechslung, man habe die richtigen Originale.
Am 7. Dezember war nichts mehr zu halten: Nun kamen - wie zuvor anonym auf einer Forschungs-Homepage in Korea (wer Koreanisch kann oder Mitarbeiter hat, die es können: bric.postech.ac.kr) - Zweifel an den Daten selbst, die von 2005 seien gefälscht: Sie seien zu gut, die Profile der individuellen Zellen passten zu genau, man müsse sie nur ansehen. Das hat Schatten getan, er will nichts mehr mit der Publikation zu tun haben und seinen Namen zurückziehen (aber das kann man nicht, nur alle Autoren zusammen können eine Arbeit zurückziehen).
Das haben die Großen der Stammzellforschung getan, die nun ihr vereintes Gewicht in die Waage werfen: Es müsse keine Fälschung sein, aber alle Daten - und Zellen - müssten von Unabhängigen überprüft werden. Wilmut bietet sich dafür an - und hofft natürlich, dass es so geht wie 1998. Damals wurde ihm bei "Dolly" Fälschung vorgeworfen, aber die Prüfung belegte die Echtheit.