"Huygens' Arbeit ist getan"

Nach zwanzig Jahren Planung und sieben Jahren Flug kam am Freitag der große Augenblick.

Die Titan-Sonde hat bereits Daten an ihr Mutterschiff Cassini übertragen

Es kann keine harte Landung gewe sen sein, denn Huygens sendet noch": Mit diesen Worten bestätigte David Southwood, Wissenschaftsdirektor der europäischen Raumbehörde ESA, die Landung der europäischen Raumsonde Huygens auf der Oberfläche des Titan. Die Sonde funke bereits seit Stunden Daten zur Cassini, ihrem US-amerikanischen Muttersonde, bestätigte Southwood am Freitag abend. "Wir sind damit die ersten Besucher auf dem Titan", jubelte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

"15.44 Cassini hört mit dem Datensammeln auf", das war im Drehbuch der ESA vorgesehen: Huygens hat die Daten an Cassini gesendet, von dort gehen sie viel später zur Erde. Cassini fliegt weiter, verliert den Kontakt. "Dann gibt es keine Chancen auf Signale mehr", endet das Drehbuch: "Huygens' Arbeit ist getan."

Von Huygens an Cassini gesendet wurden rund 500 Megabyte an Informationen: Fotos, Daten über die Zusammensetzung der Atmosphäre sowie das Klima.

Das erste Lebenszeichen hatte das ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt um 11.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit erreicht: Es enthielt noch keine Daten, es war ein Dauersignal, das zeigte, dass der Fallschirm sich geöffnet hat. Aber der Jubel war groß und ganz nach Nasa-Art: Es sei "wie der erste Schrei eines Babys".

Damit ist eine Reise zu Ende, die 1655 begann. Am 25. März sichtete der Physiker Christian Huygens einen Saturnmond, "der heller als die anderen ist und auf der äußersten Bahn läuft, und ich war der Erste, der ihn sah, mit meinem Fernrohr, das nicht länger als zwölf Fuß war", 377 Zentimeter. Titan war entdeckt, er ist der größte Mond des Saturn (und der zweitgrößte im Sonnensystem, nach dem Jupitermond Ganymed) und er hat als einziger Mond eine Atmosphäre. An der Oberfläche hat er einen Durchmesser von 5150 Kilometer - die Erde hat 12.756, der Mars 6794 -, außen an der Atmosphäre 5550.

Dazwischen hängen dichte Schleier. Sie verwehrten Huygens den Blick auf die Oberfläche, sie ließen sich auch von den Spektroskopen nicht durchdringen, mit denen Gerhard Kuiper 1944 zeigte, dass Titan eine Atmosphäre hat. Selbst die Kameras der Nasa-Sonde Voyager 1 zeigten nichts, obwohl sie 1980 aus nur 4000 Kilometern hinschauen konnten. Die Atmosphäre ist extrem dicht, sie besteht zu 94 Prozent aus Stickstoff - so viel gibt es auf keinem Planeten -, die restlichen sechs Prozent sind Kohlenwasserstoffe, Methan vor allem.

Das trübt den Blick und gibt Titan eine orangerote Farbe, die sich zu wolkenartigen Strukturen verdichtet. Vielleicht regnet dieses Methan in riesigen Tropfen ab, vielleicht sammelt es sich in Seen, Spekulationen gibt es viele, vor allem eine: mögliches Leben oder zumindest - auf Titan ist es 178 Grad kalt - Moleküle, aus denen es unter freundlicheren Bedingungen entstehen könnte. Huygens selbst konnte sich durchaus vorstellen, dass dort Pflanzen und Tiere gedeihen, für ihn gab es nichts "Zweckloses" am Himmel. Auch heute blüht die Fantasie: Zwar hofft niemand auf Flora und Fauna, aber Bakterien gedeihen schließlich auch auf der Erde in den unwirtlichsten Regionen, im Eis der Antarktis etwa.

Gestützt wird die Hoffnung von der Ähnlichkeit der heutigen Atmosphäre des Titan mit der frühen der Erde, aber ganz so ähnlich sind sie sich nun auch wieder nicht - vor allem im Stickstoffgehalt - und zudem ist die der frühen Erde umstritten. Aber extraterrestrisches Leben ist die Lebensader der Raumfahrt, und als Spaß am Rande hat die Sonde Huygens eine CD mit vier eigens komponierten Songs für Außerirdische an Bord, "Hot Time" heißt der, der den Eintritt in die Atmosphäre begleiten soll, natürlich nur virtuell, ein Player ist nicht mit dabei.

"Lalala" heißt ein anderer, er ist der Entwicklungsphase der gesamten Mission gewidmet. Vor 20 Jahren wurde sie von einer Hand voll Enthusiasten erdacht, darunter der österreichische Atmosphärenphysiker Siegfried Bauer, 1997 war es so weit. Die Nasa hatte die große Saturnsonde Cassini entwickelt, die ESA den kleinen Begleiter Huygens. Am 15. Oktober 1997 hob die Trägerrakete ab, nun ist das Gespann bei Titan, und Cassini hat Huygens wieder abgesetzt. Der ist am Freitag um 10.06 Uhr in die Atmosphäre eingetaucht und dann 140 Minuten hinabgeschwebt.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.