"Hitlers Bombe": Bomben-Geschäft

Ein Historiker will Nazi-Nukleartests gefunden haben. Sein Verlag zeigt, wie man das vermarktet.

"Das deutsche Reich stand kurz davor, den Wettlauf um die erste einsatzfähige Atomwaffe zu gewinnen." Mit diesem Satz bewirbt die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) das Buch ihres Autors Rainer Karlsch - "Hitlers Bombe" -, das nächsten Montag präsentiert werden soll. Mit diesem Satz lehnt sich die DVA weit hinaus, er widerspricht allen bisherigen Befunden und wurde entsprechend begrüßt: "Einen totalen Schmarren" nannte etwa Wissenschafts-Historiker und Einstein-Biograf Armin Herrmann den Knalleffekt gegenüber dem Spiegel: "Da will sich jemand wichtig machen."

Womit? Laut Werbeprospekt - über das Buch selbst darf noch niemand etwas sagen, der Verlag schaut streng auf Vertraulichkeit -, laut Werbeprospekt also, der der Vertraulichkeit natürlich nicht unterliegt, sondern ganz im Gegenteil die Spannung bis zur Explosion steigern soll, laut diesem Prospekt testeten deutsche Wissenschaftler 1944/45 auf Rügen und in Thüringen nukleare Bomben - dabei sollen hunderte Kriegsgefangene zu Tode gekommen sein -, zudem habe Karlsch im Umland von Berlin den "ersten funktionierenden deutschen Atomreaktor" gefunden.

Das wäre in der Tat eine Sensation: Bisher geht man davon aus, dass es in Deutschland nur einen Reaktor gegeben hat - von Werner Heisenberg gegen Kriegsende in einem Keller in Haigerloch gebaut -, der aber nie funktionierte. Auch bei den Bomben kann es sich um keine Kreationen Heisenbergs gehandelt haben, er hat keine gebaut, das steht fest, umstritten ist nur, ob er es nicht konnte oder nicht wollte.

Aber um so eine Bombe soll es nicht gegangen sein. DVA hat zur Absicherung der brisanten Ladung Mark Walker das Manuskript lesen lassen, einen Historiker, der 1990 zum Thema publiziert hat. Ihm zufolge hatte die Bombe Karlschs nicht annähernd die Sprengkraft der von Hiroshima. Sie sei vielmehr eine Art "dirty bomb" gewesen, mit der man Gegner an der Front hätte aufhalten können.

"Dirty bomb"? "Etwas nukleares Material von großen Mengen Sprengstoff umhüllt" sei das. Wie immer das funktionieren soll und wo immer das nukleare Material hergekommen sein soll - man wird es am Montag erfahren, wenn DVA sein Bömbchen zur Zündung bringt.

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