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er Krieg in Tschetschenien fand zuletzt in der Weltöf fentlichkeit nur noch wenig Beachtung. Dies, obwohl dort täglich weiter gekämpft, gemordet, gefoltert, geplündert, geschändet, vertrieben und erpresst wird. Dabei müssten allein die tschetschenischen Flüchtlinge, die nach Westeuropa strömen, zeigen, dass es im Nordkaukasus drunter und drüber geht; allein in Österreich sollen es bereits 10.000 sein.
Terroraktionen wie die grausamen Geiselnahmen in einem Moskauer Musicaltheater im Oktober 2002 oder in einer Schule im südrussischen Beslan im August 2004, hinter denen radikale Tschetschenen steckten, haben der Sache des Nordkaukasus-Volkes viel Sympathie gekostet. Aslan Maschadow, 1999 durch Wladimir Putins Tschetschenien-Feldzug in den Untergrund getriebener tschetschenischer Präsident, wusste das. Er war dagegen, den Widerstandskampf gegen die Russen über Tschetscheniens Grenzen hinaus zu tragen. Und er war dagegen, diesen Kampf schrankenlos auch gegen unschuldige Zivilisten zu führen. Er wollte mit Moskau verhandeln, um dem geschundenen tschetschenischen Volk irgendeine Perspektive für eine gewaltfreie Zukunft geben zu können.
Aus Moskau kam stets ein "Njet, mit Terroristen verhandeln wir nicht". Und jetzt wird Maschadows Leiche wie eine Siegestrophäe im russischen TV präsentiert. Das soll ein Sieg sein, den vielleicht einzig pragmatisch denkenden Rebellenführer aus der Widerstandsfront herausgeschossen zu haben? Die Männer, die seinen Platz einnehmen werden, kennen wahrscheinlich keine Regeln des Kampfes, wie sie der Berufsoffizier Maschadow gekannt hatte. In ein paar Wochen schon, wenn der Schnee im Nordkaukasus geschmolzen ist, könnte es losgehen: in Tschetschenien, aber auch in russischen Städten und Dörfern.
b.bischof@diepresse.com
Maschadows Tod wird den Widerstand im Nordkaukasus weiter radi-