Der Iran reagiert gelassen auf die jüngsten Drohungen der USA. Tatsächlich sind die militärischen Optionen der Amerikaner begrenzt.
Irans Verteidigungsminister Ali Schamkhani gibt sich angesichts der amerikanischen Drohkulisse, die da rund um sein Land aufgebaut wird, demonstrativ gelassen: "Wir sind so stark, dass uns kein Land angreifen kann, weil keines genaue Informationen über unsere militärischen Möglichkeiten hat." Ohne Details preiszugeben, fuhr er fort: "Wir haben rasch militärische Ausrüstung in die Hände bekommen, die uns größtmögliche Abschreckung gegen Angriffe erlaubt."
Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush in einem TV-Interview einen Militäreinsatz gegen den Iran abermals nicht ausgeschlossen, sollte Teheran im Streit um sein Atomprogramm mit dem Westen nicht kooperieren.
Amerikanische Denkfabriken und Militäranalytiker spielen schon seit geraumer Zeit militärische Szenarien ("Wargames") durch, die sich für die USA im Fall Iran ergeben. In der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift "Atlantic Monthly" wird ein solches "Wargame" beschrieben. Dabei mitgemacht haben neben pensionierten Militärs der ehemalige IAEA-Chefwaffeninspektor David Kay, Nahostexperte Kenneth Pollack und Ex-Pentagon-Sprecher Kenneth Bacon. Sie konzentrierten sich auf drei Optionen:
[*] Schlag gegen Stützpunkte der Revolutionsgarden: Dies wäre eine vergleichsweise einfache und angesichts der überwältigenden amerikanischen Luftmacht rasch realisierbare Option, weil die Stationierungsorte der iranischen Revolutionsgarden bekannt sind.
Das Risiko dabei: Der Iran könnte eine solche "begrenzte Strafaktion" missverstehen und mit voller Wucht zurückschlagen: Raketenangriffe mit radiologischen, biologischen und chemischen Waffen gegen Israel oder gegen US-Stützpunkte in der Golfregion (Iran verfügt mit der Shahab-3 über eine Rakete mit einer Reichweite von 1500 Kilometern); Aufhetzen der irakischen Schiiten gegen die US-Besatzungsmacht im Irak; aktive und weltweite Förderung von Terrorgruppen; Hochtreiben der Ölpreise.
[*] Präventive Zerstörung des iranischen Atomprogramms: Innerhalb von fünf Tagen müssten 125 Hauptziele (bisher bekannte Nuklearanlagen sowie Produktionsstätten für biologische und chemische Waffen) angegriffen werden; zudem müssten 175 Ziele der iranischen Luftverteidigung und Kommandozentren ausgeschaltet werden (mindestens 20 dieser 300 Ziele sind tief verbunden).
Auch bei dieser Option haben die Iraner die ganze Palette von Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Das Risiko für die Amerikaner ist zudem, dass sie den ganzen Umfang des iranischen Rüstungsprogrammes vermutlich nicht kennen und so nicht alle vorhandenen Kapazitäten ausgeschaltet werden. Die Entwicklung iranischer Atomwaffen würde so vielleicht verzögert, aber nicht verhindert. Und die Risiken für die USA würden nicht geringer, wenn sie die israelische Luftwaffe den Präventivschlag ausführen lassen würden.
[*] "Regime-Wechsel" in Teheran: Das würde einen weiteren Großkrieg erfordern, zumal sich Irans Bevölkerung im Fall eines US-Angriffs bestimmt hinter das Mullah-Regime stellen würde. Aber schon die jetzigen Schwierigkeiten im Irak zeigen, welche Probleme mit einem "Regimewechsel" verbunden sind. Alle diese Probleme würden im Iran nur potenziert.
Die "Wargamer" kommen zum Schluss, dass keine der drei militärischen Optionen für die USA erfolgversprechend sei. Verteidigungsminister Schamkhani hat also möglicherweise recht, wenn er in Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen ein Sprichwort zitiert: "Die Hunde bellen, aber sie beißen nicht."