Der russische Dirigent Kirill Petrenko weiß längst, wo sich Risiko auf dem Weg nach oben lohnt.
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ie Musiker des Meisterorchesters dürften nicht schlecht gestaunt ha ben, als bekannt wurde, der auserwählte Debütant dächte gar nicht daran, die gebotene Chance wahrzunehmen: Kirill Petrenko, in den vergangenen vier Jahren vom Geheimtipp zu einem der Fixstarter im internationalen Dirigenten-Karussell aufgestiegen, lehnte vor zwei Jahren ab, ein ihm angebotenes Konzert der Wiener Philharmoniker im Konzerthaus zu leiten.
Der junge Mann aus Russland (Jahrgang 1972) erschien in der Saison 1998/2000 als völlig Unbekannter - ein aufmerksamer Manager hatte ihn anlässlich des Schlusskonzertes der Dirigentenklasse an der Wiener Musik-Universität entdeckt! - als Generalmusikdirektor im Staatstheater Meiningen. Dort befasste sich die frisch gekürte Intendantin Christine Mielitz gerade mit ihrem ehrgeizigen Inszenierungsprojekt: Sie zeigte Wagners "Ring des Nibelungen" an vier aufeinander folgenden Tagen, was seit der Bayreuther Uraufführung Anno 1876 nicht mehr passiert war. Mielitz und ihr ebenso waghalsiger junger Kapellmeister gewannen: Die internationale Presse pries nicht zuletzt das ungemein spannungsgeladene Dirigat.
Seither machen die wichtigsten Opernhäuser Kirill Petrenko Avancen. Er bleibt jedoch gelassen, wählt klug aus und lehnt ab, was ihm - wie das Angebot der Wiener Philharmoniker, die er in der Staatsoper schon dirigiert hat - "zu früh" dünkt. Abgeschlossen hat Petrenko vielmehr einen Vertrag mit dem kleinsten der drei Berliner Opernhäuser: In der Komischen Oper ist er Chefdirigent, betreut sorgfältig einstudierte Premieren und baut so sein Repertoire aus.
Wo er als Gast auftaucht (etwa in Londons Covent Garden Oper), stehen Publikum, Kritik und - eine Rarität - auch die Musiker Kopf. Nur er selbst lässt sich den seinen nicht verdrehen ... [Komische Oper]