Expertin: Änderungen in der Lehre würden den Frauenanteil an technischen Unis erhöhen.
Wien. Nicht die Frauen, sondern die technischen Studien müssen sich ändern. So könnte man die Ansicht von Brigitte Ratzer, der Leiterin der Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies der TU Wien, zusammenfassen.
Sie und 120 andere Experten diskutierten in Wien über Strategien, um künftig mehr Frauen zu technischen Studien animieren zu können. Das wird zwar bereits seit Jahrzehnten versucht - ein Erfolg blieb aber bis jetzt aus. In der Vergangenheit lud man zum Beispiel Schülerinnen zu Technik-Schnuppertagen ein. Aber auch heute beträgt der Anteil der Frauen etwa in den Studienrichtungen Maschinenbau oder Elektrotechnik nur magere acht bis zehn Prozent.
Die Konsequenz für die Expertinnen: Frauen allein durch besondere Aktionen für die Technik zu motivieren, ist einfach zu wenig. Manche Frauen hätten bei den simpel aufgebauten Schnuppertagen sogar den Eindruck gehabt, "für blöd gehalten" zu werden, erzählt Ratzer
Anstatt die Frauen zu ändern, sollten die technischen Studien im freundlicheren Licht erstrahlen, fordert Ratzer. Manche Frauen würden schon durch einen Blick auf die Homepage der TU Wien abgeschreckt werden: Denn dort bekämen sie vor allem Maschinenhallen zu sehen. "Man sieht nichts, wo Menschen etwas gemeinsam entwerfen", kritisiert Ratzer. Auch seien keine Lehrsituationen abgebildet. Derartige Darstellungen würden Frauen aber mehr Lust auf die Technik verspüren lassen.
Aber nicht nur im Umfeld, auch im Studium selbst müsse sich etwas ändern, sagt die Expertin. So solle das Niveau zum Studienbeginn in manchen Bereichen gesenkt werden. Bei Elektrotechnik sind etwa 75 Prozent der Studienanfänger HTL-Absolventen. Das habe damit zu tun, dass das Anfangsniveau bei diesem Studium so hoch ist. Der Anteil von weiblichen Schülern an der HTL ist aber traditionell gering.
Andere Studieneingangsphasen, andere Studieninhalte, eine modernere Didaktik und andere Fachkulturen sollten an den Technik-Unis angeboten werden. Illusionen, dass ihre Forderungen schnell erhört werden, macht sich Ratzer aber keine. Man müsse den "Weg der kleinen Schritte" gehen. Es sei schwierig, die Adressaten zu erreichen. Sie hoffe, aber dass bis zum Ministerium hinauf ein Umdenken erfolge.
Beispiele aus den USA und Israel würden schließlich zeigen, das man mit den richtigen Änderungen Frauen sehr wohl motivieren kann. So sei an manchen Unis der Anteil von Frauen in technischen Studien von fünf auf 32 Prozent gestiegen.
Übrigens: Die richtigen Modifizierungen würden nicht nur Frauen zugute kommen. Auch viele Männer, die vom Umfeld der technischen Unis abgeschreckt werden, könnten dann den Sprung an eine TU wagen, glaubt Ratzer.