Studie: Wiener Universitäten für Ausländer attraktiv

Die Mentalität der Bevölkerung stellt für Studenten aus anderen Ländern oft ein Problem dar.

Wien. Ausländische Studenten schätzen zwar Wien als Bildungsmetropole, die herrschende Mentalität der lokalen Bevölkerung bereitet ihnen aber oftmals Probleme. So lässt sich das Ergebnis einer neuen Studie der Akademie der Wissenschaften zusammenfassen, die unter dem Titel "Aus aller Herren Länder?" in Buchform erschienen ist. Die Studie filterte durch eine Umfrage unter ausländischen Studierenden heraus, was an der Bundeshauptstadt mehr und was weniger geschätzt wird.

Nach London, Paris und Barcelona liegt Wien auf dem vierten Platz im europäischen Universitätsstadtranking. Geschmälert wird die Attraktivität von Wien als Studienort aber dadurch, dass es es hier keine Eliteuniversität gibt. Auch die deutsche Sprache stellt oft eine Barriere dar. Trotzdem hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zahl der ausländischen Studenten kontinuierlich erhöht. Im Wintersemester 2003/04 studierten bereits 19.769 Ausländer in Österreich, das entspricht einem Ausländeranteil von 17,4 Prozent.

Der in der Umfrage am häufigsten genannte Grund für ein Studium in Wien ist der Erwerb spezieller Fachkenntnise (85 Prozent). Vor allem süd- und ostasiatischen Studenten ist dieser Punkt am wichtigsten, am wenigsten können noch Studierende aus dem Nahen Osten diesem Kriterium etwas abgewinnen.

Auf Platz zwei der Motive folgen "bessere Berufschancen durch ausländische Abschlüsse". Etwa 60 Prozent gaben an, dass sie in Wien eine bessere Infrastruktur als in ihrer Heimat vorfinden und deswegen nac h Österreich gekommen sind. Dieses Motiv ist vor allem für Studenten aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien wichtig. Das hohe Ansehen der Wiener Universitäten in ihrer Heimat zieht vor allem bei Hochschülern aus dem Nahen Osten. Studierende aus der EU messen diesem Faktor hingegen vergleichsweise wenig Bedeutung zu.

Aber auch abseits der Universitäten strahlt Wien Attraktivität für Ausländer aus. So geben 80 Prozent an, dass ihnen die hohe Lebensqualität in der Bundeshauptstadt bei der Wahl des Studienortes wichtig war. Besonders von Relevanz war auch die Empfehlung von Freunden, Verwandten oder Bekannten, in Wien zu studieren. Die Stadt per se halten vor allem Studenten aus Osteuropa attraktiv. Das kulturelle Angebot der Bundeshauptstadt zieht wiederum vor allem bei den Asiaten. Als relativ unwichtig werden der Grünraum und die Sport- und Freizeitangebote in Wien beurteilt.

Schlecht kommt in der Umfrage die Mentalität der Wiener weg. "Das hohe Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit in der lokalen Bevölkerung sowie die geringe Kontaktbereitschaft wurden von den befragten Studenten als problematisch verbalisiert", betonten die Autoren der Studie, Josef Kohlbacher und Ursula Reeger. So stufen zwar 46 Prozent die Wiener als hilfsbereit ein, aber nur 6,8 Prozent als "sehr hilfsbereit". 29 Prozent der Befragten meinen sogar, dass die Wiener ungefällig seien.

Bei der Frage der Ausländerfeindlichkeit zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Gleich viele Personen (31 Prozent) empfanden die Wiener als fremdenfreundlich beziehungsweise fremdenfeindlich. Vor allem EU-Ausländer sowie Ost- und Südasiaten stuften die Wiener als fremdenfeindlich ein. Sehr schlecht schnitt in der Statistik überdies die Gastfreundlichkeit der Wiener ab. Diese wurde der Bevölkerung nur von 31 Prozent attestiert. 39,3 Prozent orteten hingen Distanziertheit unter den Wienerinnen und Wienern.

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