Südosteuropa: "Sofia ist für viele Investoren schon zu teuer"

Die Standortqualität für Investitionen im Balkan-Raum ist regional äußerst unterschiedlich.

WIEN. Die erste Investitionswelle in Richtung Osteuropa ist weitgehend abgeschlossen - nämlich die Übernahme von Firmen in den neuen EU-Mitgliedstaaten. Voll im Rollen ist derzeit hingegen eine zweite Investitionswelle in Richtung Südosteuropa. Und dort habe sich, so beobachtete Stefan Höffinger, Experte beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney, eindeutig das "Power Triangel" (Kraft-Dreieck) Serbien - Rumänien - Bulgarien als optimal herauskristallisiert.

"Wenn man in die Region geht und den gesamten Balkan-Raum erschließen will, dann sollten diese drei Staaten stärker auf die Tagesordnung gesetzt werden", sagt Höffinger im Gespräch mit der "Presse". Kroatien, das in vielerlei Hinsicht weiter fortgeschritten ist, sei aus einer Balkan-Perspektive heraus "zu sehr an der Peripherie", zu weit von den künftigen Absatzmärkten - vor allem vom Riesenmarkt Rumänien - entfernt.

Unter den Staaten des Dreiecks ist in Höffingers Augen eindeutig Bulgarien der "stille Gewinner". "Die werden Rumänien ein hartes Match liefern", so der Experte. In Rumänien sei die politische Klasse nicht so wirtschaftsfreundlich wie in anderen südosteuropäischen Ländern. Serbien ist im Vergleich zu den beiden EU-Beitrittskandidaten anders. "Dort herrscht noch Goldgräberstimmung, dort zählt vor allem das Unternehmerische."

In allen Balkan-Staaten sind die Arbeitskosten aktuell sehr gering. Während in Österreich die Arbeitskosten (inklusive Sozialversicherungsbeiträgen und Zuschlägen) bei gut 2800 Euro im Monat liegen, machen sie in Serbien laut A.T. Kearney-Daten 318 Euro, in Bulgarien gar nur 241 Euro aus. Polen - als Beispiel für die neuen EU-Staaten - kommt auf 753 Euro.

"Bulgarien ist der stille Gewinner."

Stefan Höffinger, Osteuropa-Experte beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney
"Serbien ist ein exzellenter Standort, wenn man noch kein Russland-Geschäft hat", so Höffinger. Denn als einziger großer Staat in der Region verfügt Serbien über ein Freihandelsabkommen mit Russland. Rumänien und Bulgarien eigneten sich hingegen besser, wenn Märkte in der EU versorgt werden sollen.

Die Feststellung, dass das "Power Triangel" Serbien - Rumänien - Bulgarien die besten Voraussetzung bietet, sei allerdings nur die halbe Wahrheit, betont Höffinger. Denn es gebe regional sehr große Unterschiede. "Bei der Standortsuche muss man eine Ebene runtergehen", so der Experte. Etwa in Bulgarien: "Sofia ist aufgrund der doppelt so hohen Löhne im Vergleich zum Landesdurchschnitt für viele Investoren schon zu teuer." Man sei deshalb gut beraten, in die Peripherie zu gehen - wo es auch noch eine ausreichende Zahl von Arbeitskräften gebe.

Ähnlich in Serbien: In Belgrad und der Provinz Vojvodina seien die Arbeitskosten vergleichsweise hoch - einige Stadtverwaltungen bieten hingegen Einmal-Subventionen in Verbindung mit Arbeitsplatz-Beschaffung an.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.