Meinung: Hochzeit der Wert-Vernichter

S
o schnell kann es gehen: Aus der Zentralsparkasse wurde die Bank Austria, aus der die BA-CA, aus der dann, zumindest in Teilen Osteuropas, die HVB mit aufgepapptem Bank-Austria-Logo (der "roten Fahne", wie die Konkurrenz den kühn geschwungenen Bindestrich zwischen "Bank" und "Austria" zu titulieren pflegt). Und jetzt wird es wohl bald was mit "Banca Austria - Unicredito-Anstalt" oder so ähnlich.

Was soll's, so funktioniert eben die Nahrungskette im globalisierten Bankenwesen. Nicht lustig für die heimische Bank, die zwar ein leuchtendes Juwel im sonst eher finsteren Schatzkästlein der maroden bayerischen HypoVereinsbank, im anlaufenden europäischen Banken-Monopoly aber als mitverkaufte Tochtergesellschaft doch nur ein am Rande beteiligter Zuseher ist.

Schauen wir also ein wenig über den alpenländischen Tellerrand hinaus: Derzeit bekommt offenbar die deutsche Bankenszene die Rechnung für ihr viel zu langes Festhalten an den Amigo-Gebräuchen der berüchtigten "Deutschland AG" präsentiert. Die hat im Fall der deutschen Börse gerade ihr erstes, aber sicher nicht ihr letztes Waterloo erlebt. Das Bollwerk, das sich ein relativ kleiner Zirkel einflussreicher Manager gegen Einflüsse von außen aufgebaut hat, zerbröselt rapide.

Für die deutschen Banken wird das heftig: Die HVB macht ja nur den Anfang. Schon wird ausländisches Interesse an der Commerzbank kolportiert, und auch andere deutsche Großinstitute kommen ins Visier internationaler "Schnäppchenjäger. Und wenn Deutschland nicht aufpasst, werden seine Großbanken mit deutscher Mehrheitsbeteiligung rar.

Auch das ist noch kein wirklicher Beinbruch: Schließlich spielt die Wirtschaft auch nach dem EU-Verfassungs-Nein der Franzosen europäischen Binnenmarkt. Und die notwendige Konsolidierung speziell der international eher mäßig dastehenden mitteleuropäischen Banken kann nicht an Landesgrenzen halt machen.

Womit wir beim Punkt wären: Die Frage ist nicht, ob eine italienische oder spanische oder sonstige Bank ein deutsches Institut kauft, sondern ob der neue Riese unterm Strich besser da steht als die vorherige Summe der Einzelteile. Und da haben so manche Beobachter ihre Zweifel. Er habe, sagte ein renommierter schweizerischer Fondsmanager neulich zur "Presse", eine ganze Menge Banktitel im Portfolio. Aber keine aus Italien oder Deutschland. Denn die, so der Experte, "betreiben alle drei bis fünf Jahre Buchwertvernichtung". Ein vernichtendes Urteil. Da wird wohl noch mehr nötig sein als ein simpler Zusammenschluss zu schierer Größe.


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