Meinung: Elfmeterschießen

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ine Verlängerung zählt für den Fußballfreund zum Feinsten. Sie verspricht Spannung und vielleicht ein Elfmeterschießen. In Klagenfurt geht es jetzt auch in die Verlängerung. Doch noch kann von Fußballspiel keine Rede sein. Noch geht es darum, wer das Stadion bauen darf. Und diese Verlängerung ist den Fußballfans alles andere als sympathisch. Schließlich soll das Stadion vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft 2008 fertig sein. Eine Bauverzögerung könnte schlimmstenfalls sogar die EM-Austragung gefährden.

Doch wie im Sport geht es auch in der Wirtschaft und Politik ums Gewinnen. Wie im Sport wird mit versteckten Fouls gearbeitet. Bei der Vergabe des knapp 60 Mill. Euro teuren Bauauftrages in Klagenfurt kann freilich von versteckten Fouls keine Rede mehr sein. Da wurden die geheimen Offerte bewusst einer Wochenzeitung zugespielt, um das Verfahren zu beeinflussen. Da ortete der Kärntner Landeshauptmann sogar eine Abhöraffäre. Nachdem die Wiener Porr den Zuschlag bekommen hat, ficht die Kärntner Strabag diese Entscheidung an. Ob bei der Bauvergabe alles mit rechten Dingen zugegangen ist, wird am Ende wohl niemand beantworten wollen und können.

Vielmehr ist zu befürchten, dass sich die handelnden Personen im Gegensatz zum Fußballspiel das Elfmeterschießen sparen wollen. Ein Unentschieden zwischen Porr und Strabag scheint programmiert. Schließlich gehe es um nationale Interessen, nämlich die Austragung der Fußball-EM, könnte es bald heißen. Nur dass es bei so einem Unentschieden auch einen Verlierer geben wird: den Steuerzahler.

gerhard.hofer@diepresse.com


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