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ie Frohbotschaft des Tages kommt aus der E-Wirtschaft: Der Biomasseverband hat nach tagelanger Hin- und Herkeppelei mit der E-Control festgestellt, dass Öko-Strom kaum teurer als "konventionell" hergestellter Strom ist oder zumindest bald nicht mehr sein wird.
Gehen wir einmal freundlicherweise davon aus, dass die vorgelegte Äpfel-und-Birnenrechnung (die derzeitigen Durchschnittskosten von Ökostrom einschließlich Wasserkraft werden mit möglichen künftigen Produktionskosten in teuren neuen Fossil-Kraftwerken verglichen, als Ökostrom-"Kosten" werden der Einfachheit halber die vom Wirtschaftsministerium genehmigten Einspeisetarife eingesetzt) irgendetwas mit der Realität zu tun hat: Dann hat die Biomasse-Lobby soeben festgestellt, dass sie die Irrsinns-Subventionen (Ökostrom erhält Einspeisetarife von bis zu 16,5 Cent pro Kilowattstunde, auf dem Markt wird Strom zur Zeit mit 3,6 bis 4,1 Cent gehandelt) gar nicht braucht.
Wir wollen ja alle eine saubere Umwelt, wünschen uns eine möglichst perfekte Kreislaufwirtschaft mit möglichst hundertprozentiger Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Das schließt Anschub-Förderungen für die entsprechende Öko-Industrie selbstverständlich ein.
Was wir aber nicht brauchen, ist ein neues, mit dem Ökoschmäh gedüngtes Subventionsbiotop. Eine Landwirtschaft reicht, subventionstechnisch gesehen, völlig. Deshalb danke für die (indirekte) Klarstellung, dass 13 Jahre lang garantierte Einspeisetarife bei der anzunehmenden Entwicklung auf dem Energiemarkt ökonomischer Schwachsinn sind.
Öko-Energie (samt der dazugehörigen Anlagenbranche) wird ohne Zweifel bald ein sehr wichtiger Industriezweig sein. Aber nur, wenn sie sich angewöhnt, auf dem Markt ohne Krücken zu gehen. Sonst könnte ihr das Schicksal der Eisenbahnen (einer ausgesprochenen Zukunftstechnologie des 19. Jahrhunderts) drohen, die in Europa allesamt in staatliche Abhängigkeit geraten und an den Dauer-Subventionstropf gehängt worden sind.
Fragt man einen heimischen Bahn-Experten, wie es denn erklärbar sei, dass etwa im Frachtverkehr ausgerechnet die (privaten) US-Eisenbahnen so relativ erfolgreich sind (ihr Anteil am Frachtvolumen beträgt mehr als 40 Prozent, in der EU sind es acht Prozent mit sinkender Tendenz), dann lautet die Antwort meistens so: "Die bedienen dort lange Strecken mit hohen Volumina." Klar. Sagt doch auch hier jeder Verkehrstheoretiker, dass in einem idealen Verkehrssystem die Bahn die Bedienung langer Strecken übernimmt und der Lkw die "Flächenversorgung" an den Endpunkten.
Und? Wieso wird das hier nicht gemacht? Wieso versucht man, den Lkw-Transit zwischen Kufstein und Verona auf die Schiene zu bringen und nicht zwischen Hamburg und Palermo? Weil Eisenbahnen nie gezwungen waren, sich dem Markt auszusetzen, echte Logistikkonzerne zu bilden, internationale Verflechtungen einzugehen? Weil ohnehin immer der Steuerzahler einspringt?
Bedingungslose Subventionsgarantien, das sieht man nicht nur hier, hemmen die Fantasie und machen behäbig. Vor diesem Schicksal sollte man die Ökoenergiebranche wirklich bewahren.
josef.urschitz@diepresse.com