Wenn nun ein Jahr EU-Er weiterung zelebriert wird, dann will bei vielen Österreichern offenbar keine rechte Feierstimmung aufkommen. Wie schlecht hierzulande über dieses Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung gedacht wird, zeigt eine jüngst im "profil" veröffentlichte Market-Umfrage: Gar nicht so schlimm ist dabei der Wert von 54 Prozent der Österreicher, die "keine Auswirkung" des Beitritts der zehn EU-Neulinge verspüren. Dass aber 33 Prozent der Befragten meinen, dass der Beitritt "eher Nachteile gebracht" hat, ist schon besorgniserregender. Aber dass nur acht Prozent "eher Vorteile" sehen ist - gelinde gesagt - erschütternd.
Gut, in Österreich gibt es eine latente Skepsis gegenüber Ausländern. Gut, es gibt diffusen Ängste vor dem "Osten" und weder verifizier- noch falsifizierbare Vorurteile gegenüber der Region und ihren Bewohnern. Und manche Österreicher müssen tatsächlich um ihren Arbeitsplatz zittern oder müssen zumindest Lohneinbußen befürchten. Aber solche Faktoren allein können wohl nicht der Grund für die miese Stimmung sein - denn der wirtschaftliche Druck ist vor allem Folge der Globalisierung, und nicht der Ostöffnung.
Dieser Druck freilich ist mittel- und längerfristig nichts Schlechtes. Ja im Gegenteil: Er sorgt dafür, dass sich Österreich nicht auf dem Status Quo zurücklehnt, sondern weiter daran arbeitet, seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Die Politik blendet diese Tatsache aber weitgehend aus, sie weist - Ausnahmen bestätigen die Regel - viel zu wenig auf die Vorteile der EU-Erweiterung für Österreich hin. Und manche Volksvertreter schüren die latenten Ängste aus rein egoistisch-innenpolitischen Gründen sogar noch.
Hier ist wohl der eigentliche Kern der Tragödie zu finden: Denn ohne politisches "backing" dringt der praktisch einhellig positive Ruf von Unternehmen, die das Wagnis Ost eingegangen sind, nicht bis zu den Menschen durch.
M
an muss das aber immer wieder betonen: Ein kleines, hoch entwickeltes Land ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, größere Märkte vor der Haustür zu haben. Viele Unternehmer machen tagtäglich mit ihrer Arbeit klar, dass Standorte und Beschäftigung in Österreich vielfach erst durch deren Präsenz im Osten abgesichert werden.
Es muss doch mit vereinten Kräften möglich sein, die diffuse Angst in einen kollektiven Stolz zu verwandeln. Denn es gibt ausreichend Grund, stolz zu sein: Schließlich ist es alles andere als selbstverständlich, dass das kleine Österreich zu den wirklich Großen gehört - und das ist es nur im Osten. Und nirgend sonst.