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est steht: Irgendwann wird man beginnen müssen, gegen die immer noch wachsende Arbeitslosigkeit in der EU (auch im relativ etwas besser dastehenden Österreich) wirksam anzukämpfen. Da gibt es zwei Hauptstoßrichtungen: Mann muss das Wachstum in Regionen bringen, in denen die Nachfrage nach Arbeitskräften sich stärker dem Angebot annähert. (Und zwar durch echte Strukturänderungen etwa nach dem Muster Großbritannien/
Dänemark und nicht durch immer neue schuldenfinanzierte Infrastrukturprogramme, die nur die Bauwirtschaft künstlich aufblähen, aber an den grundlegenden Arbeitsmarktschwächen nichts ändern.)
Und man muss dafür sorgen, dass die Qualifikation des Arbeitskräfteangebots mit den Qualifikationsanforderungen der Unternehmen übereinstimmt. Da besteht offenbar enormer Handlungsbedarf.
Dass Bildung eine relativ gute Immunisierung gegen Arbeitsplatzprobleme ist, lässt sich schwer widerlegen: Je höher der Abschluss, desto geringer die statistische Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden.
Was vielen weniger bewusst ist: Die hochgelobte Lehre ist längst keine Fahrkarte zur Karriere mehr, sondern häufig eine Sackgasse. Mehr als ein Drittel der Arbeitslosen (zusätzlich zu den 40 Prozent mit bloßem Pflichtschulabschluss) weisen einen Lehrabschluss auf.
Das lässt nur einen Schluss zu: Unser viel gepriesenes duales Lehrlingsausbildungssystem steckt in der Krise. Und zwar in einer tiefen. Es wird offenbar am Markt vorbei ausgebildet (fast die Hälfte der Mädchen lernen etwa Einzelhandelskaufmann oder Friseur), und es werden offenbar nicht ausreichend Fähigkeiten vermittelt, die man für ein erfolgreiches Berufsleben benötigt.
Konkret: Die Ausbildung ist zu sehr auf reine traditionelle handwerkliche Fähigkeiten konzentriert und vernachlässigt "skills", ohne die auch ein Handwerker heute nicht mehr auskommt.
Der Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer, der vehement für eine qualitative Verbesserung der Lehrlingsausbildung eintritt, hat das kürzlich an einem Beispiel festgemacht: Für einen Installateur genüge es heute längst nicht mehr, einen Wasserhahn dicht zu bekommen. Er müsse auch verkaufen und beraten können. Und diese Fähigkeiten müssten ihm halt auch beigebracht werden.
Mit anderen Worten: Die Ausbildung muss breiter, universeller und mehr auf lebenslanges Lernen auch nach dem Lehrabschluss ausgerichtet werden. Hier sollte man schnell mit Reformen ansetzen: Die heimische Lehrlingsausbildung war in den vergangenen Jahrzehnten ein Erfolgsmodell. Es wäre schade, dieses Erfolgsmodell aus Reformunwillen einschlafen zu lassen.