D
ie Bahn hat wie berichtet einen, nun ja, etwas unambitionierten Businessplan beschlossen: Die Investition von fast zehn Milliarden Euro soll in den kommenden sechs Jahren nicht mehr bringen als leichte Marktanteilsverluste. Bevor das "Eh nicht schlecht, hätte schlimmer kommen können!" aus dem ÖBB-Vorstand zur allgemeinen Verteidigungslinie wird, ein paar Relationen: [*] Die ÖBB wird in den kommenden sechs Jahren deutlich mehr investieren, als sie am Markt umsetzt (!) und
[*] die Investitionen in die Bahn-Infrastruktur werden jene in das Straßennetz deutlich übersteigen, obwohl der Marktanteil der Straße im Personenverkehr mehr als zehnmal und im Güterverkehr annähernd fünfmal so hoch ist.
Wenn bei solchen Relationen nicht mehr herauskommt als ein "eh nicht so schlechter" Marktanteilsverlust, dann haben die Verantwortlichen für diesen Murks wohl ein mittleres Qualitätsproblem. Ein Tipp: Vielleicht sollte man beim Investieren zum ersten Mal in der Geschichte der Zweiten Republik die Erfordernisse der Bahn in den Vordergrund stellen. Und nicht die Wünsche der Landeshauptleute und der Bauindustrie. Dann könnte es vielleicht noch was werden.
Eigenartige Relationen vermeldet auch die Weltbank: In einer Studie stellt die Bank fest, dass die Agrarsubventionen in den Industriestaaten - immerhin mehr als 300 Mrd. Dollar im Jahr - einer der größten Wohlstandshemmer in den Entwicklungsländern sind und der Schlüssel zur Armutsbekämpfung demgemäß in deren Abbau liege. Bei Baumwolle beispielsweise machen die Subventionen knapp ein Viertel (!) des Welt-Produktionswertes aus. Anders gesagt: Die Industriestaaten subventionieren ihre Bauern, damit sie die Mitbewerber in den Entwicklungsländern ausschalten. Und dann subventionieren sie diese via Entwicklungshilfe noch einmal, damit sie nicht verhungern. Ein sehr gescheites und durchdachtes System.
Ein Tipp: Vielleicht lässt man da echte Wirtschaftspolitiker ran. Die Agrarbürokratien der Industriestaaten haben ja hinreichend gezeigt, dass sie das Problem nicht lösen können. Oder wollen.
B
ei solchen Dimensionen wird die hochwogende Diskussion um un seren upgegradeten Finanzminister Karlheinz "Miles & Even More" Grasser natürlich zum Pipi-Thema. Wir sind ja in Österreich und hier stolpert man, im Gegensatz zu Deutschland, nicht über Flugmeilenaffären. Und bei den vielen wichtigen politischen Gesprächen auf den Malediven kann das ja als halbe Dienstreise durchgehen. Wir wollen uns deshalb einem wenig diskutierten Nebenaspekt zuwenden: Die AUA, der es natürlich freisteht, Passagieren was auch immer zu schenken, hat das Upgrading damit begründet, dass es sich beim Aufgewerteten um einen "wichtigen Eigentümervertreter" handelt. Witzig: Nach den Aussagen Grassers dachten wir immer, die ÖIAG sei "entpolitisiert" und er mische sich dort genau genommen kaum noch ein. Ein Tipp: Wenn man schon als Eigentümer auf Bevorzugung pocht, dann soll man dazu auch stehen. Das kommt entschieden besser rüber. Und im übrigen: Danke für die Klarstellung in Sachen ÖIAG-Entpolitisierung.
josef.urschitz@diepresse.com