Kein Witz: Die EU wird 145 Mill. Euro locker machen, um die "Krisendestillation" (so nennt man in Brüssel die Verarbeitung von überschüssigem Wein zu Alkohol, der dann Treibstoffen beigemischt wird) von 150 Mill. Litern französischen Qualitätsweins und 400 Mill. Litern spanischen Tafelweins zu subventionieren. Die dortigen Weinbauern haben nämlich den Markt ein bisschen falsch eingeschätzt. Weinbau ist Landwirtschaft und so kommt es eben, dass die Produzenten nicht - wie sonst üblich - Quantität und/
oder Qualität ihrer Produktion den Marktbedürfnissen anpassen, sondern den Steuerzahlern in die Tasche greifen.
Bei den Summen, die im europäischen Agrarsystem verbrannt werden, sind 145 Mill. für die geförderte "Verspritung" von Wein nicht sonderlich aufregend. Es zeigt aber exemplarisch, zu welchen Schwachsinnigkeiten die derzeitige Agrarpolitik in Europa fähig ist. Und es ist ein guter Anlass, einmal darüber nachzudenken, weil in diesem Fall die Killerargumente, mit denen die Agrarlobby solche Diskussionen normalerweise auf der Stelle abwürgt, nicht greifen: Wein ist, zumindest für die meisten von uns, kein lebenswichtiges Grundnahrungsmittel, und Wein wird normalerweise nicht von geografisch schwer benachteiligten Bergbauern produziert.
Wein ist einfach ein Genussmittel. Ein verdammt gutes, aber keines, das man aus ökologischen, sozialen oder sonstigen Gründen subventionieren müsste. Und an der Misere der französischen Weinbauern sind wirklich nicht die Steuerzahler schuld. Sondern ausschließlich die Weinbauern selber: Sie geraten gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen, weil ihre traditionellen Weine den Geschmack des angepeilten Publikums immer schlechter treffen und weil ihre Mond-Preise jegliches Preis-Leistungsverhältnis zertrümmert haben. Anders gesagt, sie verkaufen ein aus der Sicht des Marktes nicht optimales Produkt zu überhöhten Preisen.
Das ist auch schon anderen passiert. Zum Beispiel Mercedes im letzten Jahr. Nur: DaimlerChrysler reagiert darauf, wie jedes am Markt agierende Unternehmen, mit einer Qualitätsoffensive - und nicht mit der Forderung, die EU möge aus Steuerzahlergeld die Verschrottung schwer absetzbarer Modelle finanzieren.
DaimlerChrysler wird deshalb demnächst wieder auf der Erfolgsstraße zurück sein. Die französischen Weinbauern nicht. Denn Dauersubventionen sind eine Droge, die Innovation verhindert. Wozu sollte man sich nach dem Geschmack der Konsumenten richten oder gar die Preise adaptieren, wenn ohnehin der Staat einspringt?