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paren ist zweifellos eine Tu gend, aber derzeit eine volkswirtschaftlich zweifelhafte: Europas Volkswirtschaften, auch die heimische, könnten deutlich schneller abfahren, wenn die Konsumenten des alten Kontinents ein bisschen weniger ihrem Eichhörnchentrieb huldigen würden.
Das ist natürlich kein Plädoyer gegen das Sparen, denn vom individuellen Standpunkt aus macht das Ganze sehr viel Sinn: Wenn der Arbeitsplatz und die Pension immer unsicherer werden, tut jeder gut daran, sich beizeiten einen Notgroschen auf die Seite zu legen.
Eine andere Frage ist es, ob ein privat sinnvolles, volkswirtschaftlich aber derzeit mehrfach unerwünschtes Verhalten mit Steuermitteln gefördert werden muss. Das lässt sich bei der Altersvorsorge zur Not noch argumentieren. Völlig unsinnig wird es aber, wenn sinnvolle Förderung zu sinnloser Überförderung mutiert. Im Wohnbau etwa. [*] Dort wird eine die Lohnnebenkosten hoch treibende staatliche Wohnbauförderung von den Ländern weitgehend zweckentfremdet. [*] Gleichzeitig fließen fast zwei Mrd. Euro in die Bausparförderung, obwohl die Bausparkassen mangels Nachfrage nicht mehr wissen, wo sie ihre Kredite hinleiten sollen. [*] Zudem gibt es eine steuerliche Förderung für Wohnbaudarlehen. Letzterer wird zwar wahrscheinlich heute im Ministerrat das Licht ausgeblasen. Womit das Ärgernis, dass viel mehr Steuern und Abgaben in Richtung Wohnbau fließen, als dieser aufsaugen kann, aber noch nicht beseitigt ist.
Nein: Die Wohnbauförderung gehört nicht abgeschafft. Aber ich wage die Behauptung, dass sie bei effizientem Einsatz mit einem Drittel des derzeitigen Aufwands an öffentlichen Mitteln auskommen kann - ohne dass es zu Verschlechterungen für Wohnungssuchende kommt. Der Rest ist staatlich unterstützte Misswirtschaft.
In Deutschland droht jetzt der "Ausverkauf" der wichtigsten Unternehmen, weil es im Inland zu wenige Investoren, sprich Aktionäre gibt. Österreich leidet wohl unter dem selben Phänomen. Auch in diesem Lichte sollte man einmal über Sparförderung nachdenken. Zum Beispiel darüber, wie man die Sonntagsreden für höherwertige Anlageformen in die Tat umsetzen soll, wenn man mit Steuergeld ausgerechnet die risikolosesten fördert.