Meinung: Im schwarzen Loch

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etriebswirtschaftlich werde sich der Brennerbasistunnel nie rech nen, sagt der Brennertunnel-Bauherr. Was das Loch im Berg kosten wird, weiß man auch nicht so genau. Und ob es Sinn macht, schon gar nicht. Denn mit den Bahn-Zulaufstrecken in Italien hapert es ein wenig, und die bestehende Brennerbahn hat ziemlich viel ungenutzte Kapazität.

Aber immerhin: Der Bauwirtschaft nützt es, und die tunnelgrabenden Bauarbeiter werden ja das eine oder andere Bier kaufen, so dass sich eine schöne Umwegrentabilität ergibt. Ja dann!

Ein schöner Einblick in die Gedankenwelt der heimischen Verkehrsplanung. Die Bahnhöfe verludern, die Mehrzahl der Personenzüge ist in eher erbärmlichem Zustand. Die Transportorganisation treibt den Straßenfrächtern das Geschäft förmlich zu, die Bahn-Verbindungen ins boomende Zentraleuropa sind elend. Kurz: Die Bahn ist für Passagiere und Transportwirtschaft ziemlich unattraktiv.

Statt hier anzusetzen, werden vom Verkehrsministerium buchstäblich um jeden Preis die beiden teuren Prestigeprojekte Koralm- und Brennerbasistunnel forciert. Die (schon mehrfach nach oben revidierten) Kosten für die beiden Bauwerke werden (entgegen den schöngefärbten Hausnummern aus dem Verkehrsministerium) zusammengenommen - konservativ geschätzt - mehr als 20 Milliarden Euro betragen. Weil die finanziert werden müssen, gibt das (ebenso konservativ geschätzt) mehr als eine Milliarde Zinsbelastung. Pro Jahr. Auf Jahrzehnte. Zwei schwarze Löcher, die anderswo dringend benötigte Steuerzahler-Euro magisch anziehen und für immer verschwinden lassen. Hauptsache, die Bauwirtschaft ist zufrieden. Auch so kann man Verkehrspolitik machen.

josef.urschitz@diepresse.com


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