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arf ich Sie heute zu einem Rund gang im Austro-Panoptikum einladen? Die (leicht angestaubten) Ausstellungsstücke sind zwar seit Jahren dieselben, aber es ist immer wieder ein Vergnügen, ihnen zu begegnen.
Beginnen wir hier in der noblen Abteilung "Wiener Innenstadt": Der vorsichtige Vorstoß der Handelsgewerkschaft, man wäre vielleicht unter bestimmten Umständen bereit, über verlängerte Ladenöffnungszeiten zu reden, wurde, richtig, von der Wirtschaftskammer brüsk abgeschmettert: Es gebe "keinen Bedarf".
Die Philosophie dahinter hat mir einmal ein nobler Händler erklärt. "Ich weiß net", hat er gesagt, "wie sich die Leut das vorstellen. Um vier am Nachmittag sitzen sie im Kaffeehaus - und um halb acht wollen sie dann einkaufen". Nachsatz: "Aber net mit mir".
Die Herrschaften wundern sich übrigens, dass immer mehr eingesessene Betriebe aus dem Stadtbild verschwinden. Putzig, nicht?
Aber folgen sie mir jetzt bitte hierher in die Abteilung "Landleben": Der Präsident der Land & Forstbetriebe (das sind die großen mit mehr als 200 Hektar Betriebsfläche) hat kürzlich beklagt, dass mehr als ein Drittel der Agrarförderungen an Nebenerwerbsbauern und "Hobbybetriebe" gehen. Und für die Großen zu wenig übrig bleibt. Da hat er recht: Für Nebenerwerb ist wirklich nicht der Steuerzahler zuständig. Wenngleich uns immer erzählt wird, die Subventionen seien dazu da, um die "kleinstrukturierte" Landwirtschaft zu erhalten.
Ohne diese Vorgabe wäre es ja an sich nicht schwer, auf überlebensfähige Betriebsgrößen zu kommen. Haben ja andere Branchen zur Genüge vorexerziert. Wie bitte? Großbetriebe sind auch nicht überlebensfähig und brauchen noch mehr Subventionen? Kann es sein, dass ein System, das eine ganze Branche in eine solche Lage bringt, wirtschaftspolitisch nun, sagen wir vorsichtig, keine intellektuelle Höchstleistung ist? Kostet uns - teilweise über den Brüsseler Umweg - ja immerhin zwei Milliarden im Jahr und damit halb so viel wie die Bahn.
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ie finden wir übrigens dort drüben, im ÖBB-Saal. Beim Eingang sehen Sie den Infrastrukturminister, wie er voller Leadership an einer Volksbefragung ("Sind sie dafür, die Eisenbahnerprivilegien abzuschaffen?") bastelt.
Was, Sie haben schon genug gesehen und müssen jetzt weg. Weil Sie Ihr Geld schnell noch in die Schweiz bringen wollen, bevor man Ihnen zur Finanzierung dieses Panoptikums auch noch eine Reichensteuer abknöpft? Keine gute Idee: Zumindest Bahn und Landwirtschaft sind dort auch nicht wesentlich billiger.