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ie Ausgaben der Konsumenten für Lebensmittel fließen immer mehr an der Landwirtschaft vorbei: Laut einer Wifo-Studie gingen 1990 noch 31 Prozent der Konsumausgaben für Nahrungsmittel an die Bauern, im Jahr 2001 waren es nur mehr 22 Prozent. Neben geänderten Konsumgewohnheiten - wir kaufen immer höher verarbeitete Produkte ein - ist der Hauptgrund für diese Entwicklung, dass die Agrarpreise ständig weiter sinken. Zum Teil war diese Entwicklung auch gewollt: Die EU hat die Marktpreise für Agrarprodukte sukzessive in Richtung Weltmarkt-Niveau gesenkt, als Kompensation wurden und werden die Subventionen erhöht. Dazu kommt freilich noch, dass die Handelsketten eine immense Marktmacht haben: Eine Hand voll Unternehmen diktiert die Preise.
Trotzdem ist es den Lieferanten nun erstmals seit vielen Jahren gelungen, dass Preise für Nahrungsmittel - vorerst Trinkmilch - angehoben werden. Bewirkt hat diesen Umschwung die Bauernbund-Initiative "Geschmack der Heimat", in der sich der Handel zu heimischen Produkten und zu "fairen Preisen" bekennt.
Dass die Handelsketten bei dem Lebensmittel-Pakt mitmachen, lässt sich leicht erklären: Nachdem im Herbst ruchbar wurde, mit welchen Methoden sie bisweilen ihre Lieferanten unter Druck setzen, ist die Aktion eine willkommene Gelegenheit zur Image-Pflege. Dazu kommt noch, dass in den vergangenen Monaten der wohl heftigste Preiskampf der Handelsgeschichte entbrannt ist - und alle Beteiligten suchen nach einem Weg, mit Anstand aus diesem wirtschaftlichen Desaster herauszukommen. Ein Bekenntnis zu Österreich und zu seinen Bauern ist dafür gut geeignet.
Und wo bleibt dabei der Konsument, der jetzt mehr für Lebensmittel bezahlen soll? Nun, man muss sich eines klar machen: In Österreich gibt es einen breiten Konsens darüber, dass der Bauernstand überleben soll. Zu diesem Zweck müssen die Landwirte ein halbwegs akzeptables Einkommen haben. Und bekommen sie vom Markt nicht genug Geld für ihre Produkte, dann muss die öffentliche Hand mit Förderungen einspringen. Bezahlen müssen wir also auf jeden Fall: entweder als Steuerzahler - oder eben als Konsument.
martin.kugler@diepresse.com
Bezahlen müssen wir sowieso: entweder als Konsument oder als