Eigentlich hätte man sich nach dem doch überraschend üppig ausgefallenen Metaller-Kollektivvertragsabschluss (plus 3,1 Prozent auf die KV-Löhne) den üblichen rituellen Theaterdonner erwartet: Die Gewerkschaften jammern, dass man mit Zähnen und Klauen gerade noch Tragbares erkämpft habe, die Unternehmerverbände klagen, dass ihnen der Wahnsinns-Abschluss die letzte Luft zum Atmen nehme.
Aber diesmal: Nichts! Wenn nicht die Industriellenvereinigung halbherzig ein wenig gemaunzt hätte ("Chance verspielt") könnte man glauben, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände hätten fusioniert.
Schon vorher war es ungewöhnlich gelaufen: Ohne Tamtam, ohne die gewohnte verbale Kraftmeierei. Man hat sich zusammengesetzt, in zwei leidlich langen Sitzungen das Paket ausgehandelt und dann präsentiert. Punkt.
Was ist da los? Immerhin ist zum ersten Mal seit langem eine echte Reallohnerhöhung für die Metaller herausgekommen. Und das in einer eher heiklen Konjunkturphase.
Die Sache lässt sich wohl nur politisch erklären: Wir stecken in einem Vorwahl-Jahr und da kommen Knausrigkeit (wie jetzt auch die Pensionisten merken) und Arbeitskonflikte nicht so toll rüber.
Und: Die Sozialpartnerschaft alten Stils meldet sich wieder zurück. Wirtschaftskammer-Chef Leitl und Gewerkschaftsboss Verzetnitsch sind ja seit einiger Zeit - in der Öffentlichkeit noch wenig bemerkt - in den Sallinger/Benya-Spuren unterwegs und versuchen, auf einer eher persönlichen Ebene im Hintergrund zum Konsens zu kommen, statt in der Öffentlichkeit zu poltern.
Es gibt nicht wenige politische Beobachter, die meinen, dass sich das Sozialpartner-Duo damit gerade für die Zeit nach Schüssel und Gusenbauer in Position bringt. Dann wäre der früher oft gehörte Vorwurf, die Sozialpartner wären eine Nebenregierung, obsolet: Sie würden dann die echte stellen. Das alles ist natürlich sehr vage und bis zu den kommenden Wahlen kann noch viel passieren. Aber zufällig sind die Kuscheleien, die die Sozialpartner neuerdings pflegen, wohl eher nicht.
Bevor wir's vergessen: Der Metaller-Abschluss hat natürlich auch eine wirtschaftliche Seite: Er hebt erstmals seit langem wieder die Massenkaufkraft ein wenig. Und die Unternehmen können es sich offenbar leisten, sonst hätte es zumindest vereinzelt kritische Stimmen gegeben. Die Höhe ist also wohl in Ordnung.
Tatsächlich ist die Gewinnsituation der Metallbetriebe zur Zeit trotz Konjunkturflaute im Schnitt sehr gut. Nicht nur weil sie erfolgreich rationalisieren. Sondern nicht zuletzt auch, weil sie viel zu wenig investieren. Und das ist auf Sicht gesehen das wirkliche Problem.